Vom Risorgimento bis zum Königreich Italien 1815 bis 1918

Kampf für die Freiheit Italiens 1815-1870

Der Wiener Kongress stellte 1815 die alte Ordnung mit dem Kirchenstaat und Österreich (im Norden) als vorherrschenden Mächten wieder her. Italien blieb ein geografischer Begriff. Die folgenden Jahrzehnte sind das heroische Zeitalter des Risorgimento (Wiedererstehung), des legendenumwobenen Kampfes für die Einheit und Freiheit Italiens. Geheimbünde und Verschwörer zettelten einen erfolglosen Aufstand nach dem anderen an, die alle blutig niedergeschlagen wurden. 1848/49 wurden die Österreicher vorübergehend aus Mailand und Venedig vertrieben. In Rom riefen Garibaldi und Mazzini die Republik aus, mussten jedoch vor einem französischen Hilfskorps des Papstes kapitulieren. Ein letztes Mal wurde Österreich Vormacht, dessen wichtigster Widersacher nun das Königreich Piemont-Sardinien unter Viktor Emanuel II. und Ministerpräsident Cavour war. Diesem gelang es, die meisten Liberalen und Republikaner hinter sich zu vereinigen und die Unterstützung des französischen Kaisers Napoleon III. zu gewinnen.

1859 und 1861 wurden die Österreicher mit der Untersützung durch Kaiser Napoleon III entscheidend geschlagen, 1861 nahm Viktor Emanuel II. den Titel König von Italien an. Das hohe Zensuswahlrecht (nur 1,9 Prozent der Bevölkerung waren wahlberechtigt) beschränkte die politische Repräsentation auf eine schmale liberal-konservative, häufig adlige Oberschicht. 1870 wurde auch der Rest des Kirchenstaats Italien eingegliedert. Die Haltung des Papstes gegenüber dem neuen Staat blieb unversöhnlich, er erklärte sich als "Gefangener im Vatikan" und verbot den Katholiken Italiens die Teilnahme an Parlamentswahlen.

Italienische Kolonialpolitik

In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann die italienische Kolonialpolitik mit der Besetzung von Eritrea und Somaliland; die Eroberung Äthiopiens hingegen scheiterte. 1911 wurde Libyen annektiert. Nach der Ermordung von König Umberto I. (1900) leitete der Liberale Giolitti zunächst als Innenminister, von 1903 an als Ministerpräsident mit einer umfassenden Arbeits- und Sozialgesetzgebung eine von hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten begleitete Reformpolitik ein. Die Zahl der Wahlberechtigten war 1912 auf 23,2 Prozent gestiegen. Roms Politik nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde in Deutschland lange Zeit als italienische "Schaukelpolitik" verspottet. Noch 1882 hatte sich Italien mit dem alten Gegner Österreich ausgesöhnt und dem deutsch-österreichischen Zweibund angeschlossen. 1914 erklärte Italien zunächst seine Neutralität und trat erst auf der Seite der Entente in den Krieg ein, nachdem ihm England und Frankreich in einem Geheimvertrag territoriale Ansprüche zugesichert hatten. Italien erklärte im Mai 1915 Österreich-Ungarn und im August 1916 auch Deutschland den Krieg. In zwölf verlustreichen Isonzo-Schlachten versuchten die Italiener vergebens, die österreichische Alpenfront zu stürmen. In den Friedensverträgen fielen zwar Südtirol, das Trentino, Julisch-Venetien, Triest und Istrien an Italien, nicht aber, wie erhofft, Dalmatien mit Fiume (Rijeka). Die Entäuschung eines verloren Sieges brachte grosse Unruhen ins Land, mehr im nächsten Kapitel, der Moderne bei Italen.
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