Umbruchjahre - Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 1714 - 1871

Einleitung

Im 17. Jahrundert gelangten die Kurfürsten von Preussen immer mehr an Bedeutung auf dem Internationalen politischen Parket. 1714 gelang Friedrich dem III, dem späteren König Friedrich I die Königswürde zu bekommen. Sowohl politisch und wirtschaftlich konnte Preussen mit den Weltmächten mithalten. Mehr über Friedrich III und das Preussische Reich im Kapital Deutsches Reich unter Preussen. Ab 1871 wurden die Preussen gebeten die Herschaft der deutschen Kurfürsten zu übernehmen und so gelangten Sie zur deutschen Kaiserkrone. Schon 1806 verloren die Habsburger die Kontrolle der Deutschen Fürsen, diese schlossen sich in verschiedenen Bündnisse zusammen wie zuerst der Deutsche Bund in Frankfurt und der Reihnland Bund. Diese Machtverschiebungen begannen mit dem Nordischen Krieg.

Nordischen Krig bis zum Wiener Kongress (1697-1815)

Der Nordische Krieg gegen Karl XII. von Schweden hatte zur Folge, dass die schwedischen Besitzungen an der Wesermündung an Hannover gingen, ein großer Teil Vorpommerns kam zu Preußen. Kursachsen erhielt 1697 unter dem zum Katholizismus übergetretenen August dem Starken die polnische Königskrone. Kurfürst Georg Ludwig von Hannover trat (als Georg I.) 1714 die Nachfolge der britischen Könige an. Preußen wurde 1701 unter Kurfürst Friedrich III. zum Königtum. Sein Nachfolger, der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I., schuf einen militärisch ausgerichteten preußischen Staat (u. a. stehendes Heer), der die Grundlage bildete für Preußens Aufstieg zur zweiten Großmacht neben Österreich. Die Pragmatische Sanktion (1713) ermöglichte es Kaiser Karl VI., dass ihm Maria Theresia in den österreichischen Erblanden als Herrscherin nachfolgte. Nach dem Tode Karls VI. eroberte der preußische König Friedrich II. die Provinz Schlesien von Österreich (Schlesische Kriege, 1740-1742 und 1744/45) und löste damit den Österreichischen Erbfolgekrieg aus (beendet mit dem Aachener Frieden 1748).

Maria Theresias Mann wurde 1745 als Franz I. zum Kaiser gekrönt und löste den zwischenzeitlich eingesetzten Wittelsbacher Karl VII. ab. Mit den Verbündeten Russland und Frankreich versuchte Maria Theresia, den Rivalen Preußen zu bezwingen. Doch konnte sich Friedrich II. im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) behaupten. Der preußische Staat wurde zu einer europäischen Großmacht, die fortan im Gegensatz zu Österreich stand, so z. B. im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1778/79. Russland veranlasste Österreich und Preußen, sich an den Auseinandersetzungen um Polen zu beteiligen (Polnische Teilungen 1772, 1793 und 1795).

Die Ideen der Aufklärung (Beginn des Klassizismus) brachten im 18 Jahrhundert eine Milderung der religiösen Gegensätze, eine wachsende Bedeutung des Bürgertums und innere Reformen mit sich. Als bedeutender Herrscher des aufgeklärten Absolutismus gilt beispielsweise Joseph II. Die Französische Revolution von 1789 mit ihren Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit rief große politische Veränderungen in Europa hervor, welchen sich Preußen und Österreich entgegenzustellen versuchten. Während der französischen Revolutionskriege unterlagen Kaiser Leopold II. und Franz II. Preußen musste im Basler Frieden (1795) der französischen Republik die linksrheinischen Territorien abtreten. Österreich schloss mit Frankreich den Frieden von Campoformio (1797). Die dort in Geheimartikeln vereinbarte Abtretung des linken Rheinufers von Basel bis Andernach an Frankreich wurde 1801 (Friede von Lunéville) bestätigt. Das Reich war in der Auflösung begriffen und wurde den Interessen der europäischen Großmächte entsprechend aufgeteilt.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss (1803) setzte neben der Säkularisation geistlicher Hoheits- und Eigentumsrechte zugleich die Mediatisierung reichsunmittelbarer Stände ein. Baden, Hessen-Kassel und Salzburg wurden Kurfürstentümer (1803), Württemberg und Bayern infolge des 3. Koalitionskrieges zu Königreichen (1805). Der Rheinbund (1806) vereinigte die süd- und westdeutschen Staaten unter französischer Führung. Die ihm angehörenden Staaten erklärten sich für souverän und ihren Austritt aus dem Deutschen Reich. Kaiser Franz II. legte am 6. August 1806 auf Betreiben Napoleons I. die deutsche Kaiserkrone ab (Ende des alten deutschen Reiches). Preußen brach während der Koalitionskriege zusammen. Im Frieden von Tilsit (1807) verlor es mehr als die Hälfte seines Territoriums (u. a. alles Land westlich der Elbe). Das Königreich Westfalen und das Großherzogtum Berg wurden gebildet; beide schlossen sich mit Sachsen und den übrigen mittel- und norddeutschen Staaten dem Rheinbund an.

Die preussischen Reformen unter Freiherr vom Stein und Karl August Fürst von Hardenberg führten zur Bauernbefreiung (Beginn 1807), zur Städteordnung von 1808 (Prinzip kommunaler Selbstverwaltung) und brachten eine Heeresreform (1814 allgemeine Wehrpflicht) mit sich. Nach dem russischen Sieg über die Grande Armée (Große Armee) setzten die Befreiungskriege gegen Napoleon ein. Die Völkerschlacht bei Leipzig (1813) brachte den Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft in Deutschland. Im 1. Pariser Frieden (1814) wurde Frankreich in die Grenzen von 1792 zurückgewiesen. Nach Napoleons Herrschaft der "Hundert Tage" und seiner endgültigen Niederlage bei Belle-Alliance (1815) musste Frankreich im 2. Pariser Frieden auch Landau an Bayern und neben Saarlouis noch Saarbrücken an Preußen abgeben (Grenzen von 1790). Auf dem Wiener Kongress, der dem Sturz Napoleons folgte, wurde u. a. die territoriale Neuordnung geregelt.

Vom Deutschen Bund bis zur Reichsgründung (1815-1871)

Die seit dem Wiener Kongress souveränen deutschen Einzelstaaten vereinigten sich 1815 zum Deutschen Bund, dem auch der König von Großbritannien für Hannover, der niederländische König für Luxemburg und Limburg sowie der dänische König für Holstein und Lauenburg angehörten. 1820 wurde von der Bundesversammlung die Wiener Schlussakte angenommen, welche die Bundesakte von 1815 ergänzte. Der unter österreichischer Präsidentschaft stehende Bundestag in Frankfurt (Main) setzte sich aus den Gesandten der einzelnen Staaten zusammen, eine gemeinsame Volksvertretung existierte jedoch nicht. Fürst Metternich übernahm die Führung der Bundespolitik. Er stand hinter den Karlsbader Beschlüssen (1819) und den Demagogenverfolgungen, welche die nationale und liberale Bewegung unterdrücken sollten. 1834 wurde unter Führung Preußens der Deutsche Zollverein gegründet (dem der größte Teil Deutschlands außer Österreich angehörte), um wirtschaftliche Hemmnisse und Zölle abzubauen.

Die Industrialisierung, von Großbritannien ausgehend, fasste Anfang des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland Fuß. Sie brachte neben dem wirtschaftlichen Aufschwung (mit dem der Aufbau eines Verkehrs- und Eisenbahnnetzes einherging) auch große soziale Probleme mit sich. Nationale und liberale Kräfte des Vormärz riefen die Märzrevolution von 1848 hervor, in deren Folge der österreichische Fürst Metternich zurücktreten musste. Der Bundestag wurde von der deutschen Nationalversammlung abgelöst, die in der Frankfurter Paulskirche zusammenkam und Erzherzog Johann zum Reichsverweser wählte. Den Anhängern des großdeutschen Gedankens standen die Kleindeutschen ("Erbkaiserlichen") unter der Führung Heinrich von Gagerns gegenüber, die einen Bundesstaat ohne Österreich mit dem preußischen König als Kaiser anstrebten. Im März 1849 wurde die Frankfurter Reichsverfassung beschlossen. Dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. wurde die Kaiserkrone angetragen, doch er schlug sie aus. Die Reichsverfassung wurde abgelehnt. Unter dem österreichischen Ministerpräsidenten Fürst zu Schwarzenberg, unterstützt von Russland und den deutschen Mittelstaaten, wurde der alte Bundestag wieder einberufen.

Mit der Olmützer Punktation (1850) verzichtete Preußen auf eine deutsche Einheit unter seiner Führung und erkannte den Bundestag an. Die dänische Herrschaft in Schleswig-Holstein fand durch die Londoner Protokolle (1850, 1852; Unterzeichnerstaaten: Österreich, Großbritannien, Frankreich, Russland, Schweden, Norwegen) Anerkennung in Europa. Die Bundespolitik war vorwiegend geprägt von dem preußisch-österreichischen Dualismus. In Preußen kam es während der Herrschaft mit ersten liberalen Ansätzen ("Neue Ära") des Prinzregenten Wilhelm (später Kaiser Wilhelm I.) zu schweren Auseinandersetzungen um die Heeresreform (1861) unter Albrecht Graf von Roon (1803-1879), welche Otto von Bismarck (seit 1862 preußischer Ministerpräsident) ohne Mitwirkung des Landtages durchsetzte. Seine Politik zielte auf einen Bruch des Deutschen Bundes. Auf dem von Österreich einberufenen Frankfurter Fürstentag brachte er den Bundesreformplan zum Scheitern. Durch ein Abkommen von 1863 ("Alvenslebensche Konvention") erhielt er russische Unterstützung für die preußische Politik.

1863/64 schlossen sich Preußen und Österreich zusammen (ohne Unterstützung des Bundes), um militärisch gegen Dänemark vorzugehen (Deutsch-Dänischer Krieg), das Schleswig-Holstein abtreten musste, welches unter preußisch-österreichische Verwaltung ("Kondominium" bis 1866) gestellt wurde. Bismarck veranlasste jedoch die Besetzung Holsteins und erklärte im Juni 1866 den Deutschen Bund für erloschen. Dies führte zum Deutschen Krieg (1866) zwischen Preußen und Österreich. Österreich unterlag in der Schlacht bei Königgrätz (3. Juli), was seine Ausschließung aus dem deutschen Staatenverband, die Bildung des Norddeutschen Bundes sowie die preußische Annexion von Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt zur Folge hatte.

1867 erließ der Reichstag die Verfassung des Norddeutschen Bundes, welche den späteren Eintritt der süddeutschen Staaten vorsah. Preußen hatte das Bundespräsidium inne, Außenpolitik und Bundesheer waren ihm unterstellt.

Innenpolitisch trug der Deutsche Zollverein (Zollparlament) zu einer Festigung bei; außerdem wurde eine Bundesgesetzgebung eingeleitet, bei der Bundeskanzler Bismarck von nationalliberalen und freikonservativen Kräften unterstützt wurde.

Die Außenpolitik bestimmte das Verhältnis zu Frankreich unter Napoleon III. Die von Bismarck unterstützte Kandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen für den spanischen Thron, über die in der Emser Depesche berichtet wird, führte zum Deutsch-Französischen Krieg (1870/71), an dem auch die süddeutschen Staaten beteiligt waren.

Der um Bayern, Württemberg, Hessen und Baden erweiterte Norddeutsche Bund erhielt auf Beschluss des Reichstages 1870 den Namen Deutsches Reich. Der König von Preußen wurde in Versailles als Wilhelm I. zum deutschen Kaiser proklamiert (18. Januar 1871). Der neu gebildete Reichstag kam erstmals am 21. März 1871 zusammen, die Reichsverfassung trat im April 1871 in Kraft. Im Frankfurter Frieden (Mai 1871), der den Deutsch-Französischen Krieg beendete, konnte die Abtretung von Elsass und Lothringen an das Deutsche Reich durchgesetzt werden.
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