Das Zaristische Russland 1547 - 1730

Frühgeschichte der Russen

Am Anfang der russischen Geschichte war das Kiewer Reich (9. bis 13. Jahrhundert), das im Mongolensturm unterging. Seine südlichen und westlichen Teile gerieten unter polnisch-litauische Herrschaft und die Völker der Ukrainer und Weißrussen entstanden. Die Fürsten des Fürstentum Moskaus legten derzeit den Grundstein zu einem neuen Staat der Grossrussen, indem sie mit zäher und oft grausamer Beharrlichkeit das ,,Sammeln Russischen Landes" und auch vielen anderen Landes betrieben. Im späten 15. Jahrhundert befreite Herzog Ivan III Russland vom Mongolenjoch und erwarb Novgorod und Tver. Der letzte Groß-Khan der Goldenen Horde wurde 1502 vertrieben. Ivan IV der Schreckliche (1533-84), der erste Moskauer Zar, vollendete den Aufstieg Moskaus zur Zarenhauptstadt mit der Liquidierung sich rivalisierenden Prinzen und der Boiaren (Grossgrundbesitzer).

Das Zarenreich, die Dynastie der Rurik und Iwan IV dem Schrecklichen 1547-1584

Unter Iwan IV dem Schrecklichen (1533-84) begann die Eroberung Sibiriens. Iwan IV. Wassiljewitsch, genannt der Schreckliche (geboren am 25.8.1530 vermutlich in Moskau, gestorben am 18.3.1584 in Moskau), russischer Großfürst und Zar (1547-1584). 1547 ernannte sich der Herrscher des russischen Reichs selbst zum Zaren. Er brachte damit den Anspruch Russlands zum Ausdruck, die Rolle des 1453 mit dem Fall von Konstantinopel untergegangenen Byzantinischen Reichs zu übernehmen. Innenpolitisch führte er wichtige Reformen durch, die sowohl die russische Kirche als auch das Rechtswesen, die Verwaltung und die Armee betrafen.

Ab 1564 vergrößerte er durch willkürlichen und brutalen Terror das dem Zaren direkt unterstellte Gebiet, indem er die Besitzer, die Bojaren, als tatsächliche oder vermeintliche Oppositionelle verhaften, enteignen und meistens auch zusammen mit ihrer gesamten Familie hinrichten ließ. An ihre Stelle setzte er treue Anhänger, die Opritschniki. Auch nach aussen betrieb Iwan eine Machtpolitik und dehnte das Reich nach Westen, Osten und Süden aus. Sein Einfall in Livland führte 1558 zu einem Krieg mit Polen und Schweden, der fast 30 Jahre dauerte. Sein Bild ist vor allem durch seine brutale Grausamkeit geprägt. Als Anastasia Romanowa 1547 den Zaren Iwan IV. heiratete und ihr Neffe Filaret (Fjodor Nikititsch) eine hervorragende Stellung am Zarenhof erlangte, begann der Aufstieg der Familie Romanow.

Aufstieg der Romanows und Ihr grosser Herrscher Peter der Grosse 1613-1730

In der "Zeit der Wirren" in Russland, in der nach dem Aussterben der Dynastie der Rurik neben Boris Godunow mehrere vermeintliche Thronanwärter um den russischen Thron kämpften, setzten die zahlreichen Anhänger der Romanows die Wahl von Filarets Sohn Michail Romanow (geb. 22.7.1596 in Moskau, † 23.7.1645), russischer Zar (1613-1645) die Zarendynastie der Romanow, welche bis 1730 regierte. Michail, der im Alter von 16 Jahren den Thron bestieg, überließ die Regierung zunächst Verwandten seiner Mutter. Unter deren Führung schloss Russland Frieden mit Schweden (1617) und Polen (1618). 1619 kehrte Michails Vater Filaret aus polnischer Gefangenschaft nach Russland zurück und wurde Patriarch von Moskau und Mitregent seines Sohnes. Bis zu seinem Tod 1633 bestimmte Filaret die Regierung Michails: er festigte durch Verwaltungs- und Finanzreformen die Zarengewalt und erweiterte die diplomatischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu Westeuropa. Nach seinem Tod dominierten erneut Verwandte Michails die Regierung.

Aleksey Michailowitsch Romanow (geb. 29.3.1629 in Moskau, † 8.2.1676), russischer Zar (1645-1676). 1649 erließ er ein neues russisches Gesetzbuch ("Ulozenie"), das die Leibeigenschaft der Bauern festschrieb. Die zahlreichen Aufstände, die durch soziale Spannungen unter seiner Herrschaft hervorgerufen wurden, unterdrückte er rigoros.
Außenpolitisch gelang es Aleksey, die russische Herrschaft auszudehnen. Er führte Kriege gegen Schweden (1656-1661) und Polen (1654-1667) und gewann u.a. von Polen die Ukraine östlich des Dnjepr mit Kiew.

Fjodor III. Aleksejewitsch Romanow (geb. 9.6.1661 in Moskau, † 7.5.1682, russischer Zar (1676-1682). Aufgrund seiner Jugend und schlechten Gesundheit nahm er kaum aktiven Anteil an den Regierungsgeschäften, die weitgehend von seinen Beratern bestimmt wurden. Unter ihrem Einfluss wurden während der Regierung Fjodors III. das Heerwesen und das Besteuerungssystem modernisiert. Die Förderung westlicher Kultur unter Fjodor III. bereitete die Europäisierung des Russischen Reichs durch Peter I., den Großen vor.

Peter das Grosse (1689-1725), ein Enkel Michael Romanows, machte Russland zur Grossmacht in Nordeuropa, die Gründung von St. Petersburg, dem ,,Fenster nach Europa". Peter I. (geb. am 9.6.1672 in Moskau, † am 8.2.1725 in Petersburg), russischer Zar (1682-1725). 1682 folgte er gemeinsam mit seinem schwachsinnigen Bruder Iwan seinem Halbbruder Fjodor III. auf dem russischen Thron nach. Die Brüder standen zunächst unter der Vormundschaft ihrer Halbschwester Sophia. Peter I. sicherte sich 1689 die Alleinherrschaft, indem er seine Schwester von der Macht verdrängte und ins Kloster verwies und auch seinen Bruder faktisch von der Regierung ausschloss. 1697 unternahm er inkognito eine anderthalbjährige Reise ins Ausland, unter anderem in die Niederlande und nach England. Zurückgekehrt führte er zahlreiche Reformen in Russland durch und erreichte damit eine Europäisierung des russischen Reiches.

1703 gründete Peter der Grosse St. Petersburg, das 1712 zur Residenz der russischen Zaren wurde. Er schuf ein neues Heer, eine neue Flotte, legte Schulen, Fabriken, Bergwerke, Häfen, Kanäle, Straßen an und vergrößerte das russische Reich durch Livland, Estland, Ingermanland, Gilan, Masenderan und Asterabad. Der Sieg über Karl XII. von Schweden im 2. Nordischen Krieg ließ Russland zur Großmacht aufsteigen. Weniger erfolgreich war Peter I. mit seinem Kriegszug gegen das Türkische Reich. Sein Sohn Alexej war an einer Verschwörung gegen seinen Vater beteiligt. Nach Aufdeckung der Verschwörung ließ Peter I. ihn foltern, woran er starb.


Katharina I., russ. Jekaterina Alexejewna (geb. 5.4.1684 in Marienburg, † 6.5.1727 in Petersburg), russische Zarin (1725-1727). Katharina I. war ursprünglich eine litauische Bauerntochter und hieß eigentlich Martha Skavronskaja. Zunächst lebte sie als Magd im livländischen Marienburg und kam dort mit Beginn des Großen Nordischen Krieges in russische Gefangenschaft. Sie hatte zwei Liaisons mit sehr einflussreichen Persönlichkeiten, erst mit dem Staatsmann Alexander Menschikow, dann mit dem russischen Zaren Peter I. dem Großen. Aus der Verbindung mit dem Monarchen folgte im Jahr 1712 die Hochzeit. 12 Jahre später, im Jahr 1724, krönte Peter der Große Katharina zur Kaiserin. Insgesamt 11 Kinder gingen aus der Ehe zwischen Peter I. und Katharina hervor, von denen allerdings nur 2 Töchter überlebten, und zwar Anna und die spätere Zarin Elisabeth. Nach dem Tod Peter des Großen im Jahr 1725 konnte Katharina, die politisch eigentlich weitgehend uninteressiert war, mit Hilfe Menschikows und einer Palastrevolution den russischen Thron besteigen. Katharina führte die Politik der Öffnung nach Westen fort, eroberte die Krim, Teile der Ukraine und Polen. Russland war ein absolutistischer zentralistischer Staat nach französischem Vorbild geworden. Während ihrer Herrschaft geriet sie mehr und mehr unter den Einfluss Menschikows, der schließlich erreichen konnte, dass Katharina in ihrem Testament den Enkel Peter des Großen, den späteren Peter II., zu ihrem Nachfolger erklärte. In ihrer kurzen Regierungszeit sind die im Jahr 1725 erfolgte Eröffnung der Akademie der Wissenschaften und die 1726 vollzogene bündnispolitische Integration der wachsenden Großmacht Russlands an der österreichischen Seite in das europäische Staatensystem von Bedeutung.

Peter II., Alexejewitsch (geboren 12.10.1715 in Moskau, † 18.1.1730 in Moskau), russischer Zar (1727-1730) Im Jahr 1727 bestieg der erst 12jährige Peter den russischen Thron. Infolge seines jungen Alters geriet der neue Zar schnell unter den Einfluss Alexander Menschikows. Dieser plante, den jungen Zaren mit seiner eigenen Tochter zu verheiraten. Nach dem Sturz und der Verbannung von Alexander Menschikow geriet Peter II. stark in den Machtbereich der Adelsfamilie Dolgoruskij, die eine wichtige Stellung im mächtigen Obersten Geheimen Rat innehatte. Eine weitere bedeutende Rolle spielte H. J. Ostermann (1686-1747), der als Erzieher Peters I. wesentliche Grundlagen der russischen Politik bestimmte. Innenpolitisch war die kurze Regierungszeit Peters II. von einem Abschluss der bereits von Katharina I. begonnenenen Abänderung der petrinischen Reform der Lokalverwaltung und darüber hinaus von einem generellen Beendigung des Flottenbaus geprägt. Wirtschaftspolitisch entwickeltete sich die Einrichtung von speziellen Kommissionen zur Förderung von Handel und Gewerbe im Jahr 1727 und eine generell unabhängigere Handelsgesetzgebung sehr positiv. In der Außenpolitik konnte während der Regierungszeit Peters II. mit der Beteiligung am Kongress von Soissons die erste Mitwirkung Russlands an einer europäischen Friedenskonferenz erreicht werden. Nachdem Peter II. zur Hochzeit mit E. A. Dolgorukowa vorgesehen war, verstarb der Zar am Tag seiner geplanten Vermählung am 18. Januar 1730 an den Folgen der Pocken, ohne einen Thronfolger bestimmt zu haben. Mit seiner Person erlosch gleichzeitig die Dynastie der Romanows. Mit dem Tod Kaiser Peter II., dem Enkel von Peter I., dem Großen, starb 1730 die männliche Linie der Romanows aus. Daraufhin kamen die Nachfahren der älteren Tochter Peters I. des Großen, Anna, die den Herzog Karl Friedrich von Holstein-Gottorp geheiratet hatte, an die Regierung. Die Linie Romanow-Holstein-Gottorp regierte bis zur Abdankung von Zar Nikolaus II. 1917. Mehr über die Russen und der Romanow-Holstein-Gottorp Linie in der Aufklärung.
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