Besetztes Italien und seine Stadtstaaten 15. Jh. bis 1805

Wie in der Einleitung erwähnt war Italien im 14. Jahrhundert die Geburtsstätte der Renaissance.

Beginn der Renaissance und Humanismus in Italien

Italien war das Zentrum des Humanismus und der Renaissance und bestimmend für die europäische Kunst und Wissenschaft. Die Blüte war nur kurz: Mit der Entdeckung Amerikas verlagerten sich die Handelsströme, zahlreiche Handelshäuser, Banken und Manufakturen brachen zusammen. Venedig verlor seine Besitzungen im östlichen Mittelmeer an die Osmanen. 1559 erlangte Spanien in Italien die Vorherrschaft, 1713/14 fielen als Folge des Spanischen Erbfolgekrieges Mailand, Neapel und Sardinien an Österreich. Korsika wurde 1768 von Genua an Frankreich verkauft. Napoleon Bonaparte drängte 1796 die Österreicher zurück und krönte sich 1805 in Mailand zum König von Italien. Mit Ausnahme von Sardinien und Sizilien kam ganz Italien für kurze Zeit unter napoleonische Herrschaft.

Die toskanischen Städteverbunde (wird noch folgen)

Die Zeit der Renaissance blühte vor allem in den toskanischen Städten wie Mailand, Florenz usw. Die Kunst und Wirtschaft wurde durch diese Städte in ganz Europa geprägt.

Mehr über die grossartigen Städte, der Künstler und der blühenden Wirtschaft durch Ihr Finanzsystem wird in den nächsten Wochen folgen.

Die Kunst- und Handelsstadt Venedig

Nach dem Fall Konstantinopels (1453) musste Venedig in immer neuen Verträgen auf seinen Besitzungen im östlichen Mittelmeer zugunsten der Osmanen verzichten (siehe Aufstieg der Osmanen in der Epoche der Renaisance).

In den Kriegen um die vormacht über die italienischen Staaten nach dem Italienzug KARLS VIII. Von Frankreich (1494- 95) behauptete sich Venedig als unabhängige Macht auch gegenüber der Liga von Cambrai (1508), deren Ziel eine Aufteilung des oberitalienischen Festlandbesitzes Venedigs war. Sich meist an Frankreich anlehnend, konnte Venedig sich gegen die Übermacht Habsburgs, besonders des habsburgischen Österreich, schützen.

Der nach der Entdeckung Amerikas (1492) und des Seeweges nach Indien (1498) abnehmende Levantehandel hatte einer im 18.Jh. blühenden Luxusindustrie (Glas, Email, Filigranschmuck, gold - und silberdurchwirkte Seidenstoffe) Platz gemacht. In den europäischen Konflikten wahrte Venedig strikte Neutralität; die venetianische Diplomatie genoss an den europäischen Höfen hohes Ansehen. Politisch spielte Venedig jedoch keine große Rolle mehr. Bedeutend war im 18.Jh. besonders Venedigs einzigartiges gesellschaftliches Leben, seine mit viel Prunk begangenen Feste (Karneval), sein Theater und seine Malerei.

Wir möchten nun mit einem Zitat von Friedrich Nietzsche Venedig abschliessen:

"Wenn ich ein andres Wort für Musik suche, so finde
ich immer nur das Wort Venedig"

Genua 1353 bis 1861

Seit Genua 1353 an Frankreich übertrugen wurde und nach vielfach wechselnder Abhängigkeit von Frankreich stellte Andrea Doria, der Admiral Kaiser Karls V., 1528 die Republik unter den Schutz des Kaisers. Die zur Republik gehörende Insel Korsika, auf der seit 1729 fast ständig Aufstände tobten, wurde 1768 an Frankreich verkauft. In der Französischen Revolution wurde die Ligurische Republik ausgerufen und 1805 von Napoléon I. annektiert. 1815 kam Genua zum Königreich Sardinien und 1861 zum geeinten Königreich Italien.

Zusammenfassung der Königreiche Italiens nach der Völkerwanderung bis in die Neuzeit

Sardinien: Erstmals in ägyptischen Quellen im 13. Jahrhundert v. Chr. genannt, seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. von Phöniziern besiedelt, 540 v. Chr. unter Herrschaft der Karthager, 238 v. Chr. römische Provinz, gehörte im 5./6. Jahrhundert n. Chr. zum Wandalen-, später zum Byzantinischen Reich, 1165 kaiserliches Lehen Pisas, fiel 1297 an Aragón, 1713 an Österreich, kam 1720 durch Tausch gegen Sizilien an Savoyen, dessen Herzöge den Titel „König von Sardinien“ führten. 1848 schloß sich Sardinien der Erhebung Mailands gegen Österreich an; war führend im Kampf um die nationale Einigung Italiens, seit 1948 Region Italiens mit Sonderstatut.

Sizilien: Sizilien hatte in der Antike Handelsstützpunkte der Griechen und Karthager. 480 besiegten die Syrakusaner Hamilkar, den Führer der Karthager, in einer großen Schlacht bei Himera. Dennoch gelang es den Karthagern später, in Sizilien ihre Herrschaft auszuweiten, bis sich Sizilien als Provincia Sicilia (erste römische Provinz 241 v. Chr.) zur Kornkammer Italiens entwickelte. Nacheinander bemächtigten sich der Insel 455 die Wandalen, 493 die Ostgoten, 535 Byzanz, 827 die Araber, 1091 wurde die bereits 1061 begonnene Eroberung Siziliens von dem Normannenkönig Roger I. abgeschlossen, dessen Sohn Roger II. Sizilien 1130 mit Unteritalien vereinigte. 1194–1268 (1265) war Sizilien im Besitz der Staufer, dann in dem der Anjous, gegen die es sich erhob (Sizilianische Vesper), wodurch es wieder von Neapel getrennt wurde und 1282 an Aragón kam. 1713 fiel es an Savoyen, 1720 durch Tausch an Österreich, 1734–1860 war es bourbonisch und war mit Neapel vereinigt („Königreich beider Sizilien“); seitdem italienisch.

Das Königreich Neapel

Herrschaft des spanischen Hauses Aragon und der spanischen Vizekönige im Königreich Neapel und Sizilien. Verwaltung, Recht und öffentliches Leben orientieren sich am spanischen Vorbild. Don Pedro di Toledo regiert von 1532-1553 als bedeutendster Vizekönig. Herrschaft der spanischen Vizekönige im Königreich Neapel und Sizilien. Blütezeit des neapolitanischen Barocks. Die Pest wütet in Kampanien. Nach dem Tod des spanischen Königs Karls II. übernehmen die österreichischen Habsburger den Thron in Neapel. 1735 tritt Kaiser Karl VI. im Frieden von Wien Neapel an den Bourbonen Karl von Spanien ab. Diese beginnen eine an den französichen Absolutismus angelehnte Herrschaft. 1738 werden großangelegte systematische Ausgrabungen am Vesuv gegonnen: Herkulaneum und Pompeji werden neu entdeckt. Die Funde verschwinden in den bourbonischen und anderen privaten Kunstsammlungen. Ein Aufstand (Parthenopäische Republik) gegen die Bourbonenherrschaft endet mit dem Tod fast der gesamten Aristokratie Neapels. Napoleon besetzt 1806 Neapel. Nach dem Ende der “französischen Dekade” übernehmen die Bourbonen (Ferdinand I.) wieder die Macht. Unter Cavour und Garibaldi entsteht 1860 der “aufgeklärte” italienische Nationalstaat (“Risorgimento = Wiedergeburt”).
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