England zur Weltmacht in Europa 1455 - 1714

Der Aufstieg zur Weltmacht mit den Tudors und der Grundstein zur Kolonialmacht

Die Schwäche des Königtums begünstigte den Ausbruch des Adelskrieges 1455–1485 ( Rosenkriege) zwischen dem Haus Lancaster (Wappen: rote Rose) und dem Haus York (Wappen: weiße Rose). Heinrich Tudor, ein Verwandter der Lancaster, stellte als Heinrich VII. wieder Ruhe und Ordnung im Land her, indem er, gestützt auf Kleinadel und Großbürgertum, den Feudaladel endgültig entmachtete und die Mitwirkung des Parlaments nahezu ausschloß. Durch Verheiratung seiner Tochter Margarete mit dem Schottenkönig Jakob IV. wurde die Personalunion von 1603 angebahnt. Die Tudor-Monarchen Heinrich VIII. (1509-1547) und seine Tochter Elisabeth I. (1558-1603), legten sie den Grundstein für den Aufstieg des Königreichs zur Weltmacht. Heinrich VIII. betrieb wieder eine aktivere Außenpolitik. Er kämpfte zunächst abwechselnd gegen den französischen König Franz I. und Kaiser Karl V. Wegen seiner Ehescheidung geriet er in Gegensatz zum Papst, trennte sich deshalb von Rom und machte sich unter Mithilfe des Parlaments zum Haupt der englischen Staatskirche. Unter den folgenden englischen Herrschern wurde um den Protestantismus hart gerungen. Maria die Blutige verfolgte die Protestanten und erkannte das Papsttum wieder an. 1558 ging Calais verloren. Als Heinrichs Tochter Elisabeth Elisabeth I." den Thron bestieg, begann Britanniens Aufstieg zur Weltmacht mit einer energischen Expansion des Außenhandels und Kulturellen Aufschwung. 1571 wurde die Londoner Börse eingerichtet, 1600 die East India Company gegründet und stellte die Staatskirche wieder her und machte England zur protestantischen Vormacht. Die Auseinandersetzung mit Spanien endete zugunsten Englands (1588 Untergang der spanischen Armada). England wurde beherrschende Seemacht und konnte mit einer erfolgreichen Kolonialpolitik beginnen. Die englische Tuchindustrie wurde (auf Kosten der Landwirtschaft) zum Rückgrat der englischen Wirtschaft.


Die Stuarts aus Schottland, die Puritaner mit Oliver Cromwell und zur dominierenden Seemacht in Europa

Als Elisabeth I. 1603 kinderlos starb und die Thronfolge an den schottischen Stuart Jakob VI. fiel, wurde Schottland in Personalunion mit England vereinigt. Die so mit Jakob I. beginnende Stuart-Dynastie geriet durch ihre Hinneigung zum Katholizismus und ihren Anspruch auf eine absolute Herrschaft in Gegensatz zum englischen Volk und zum Parlament. Der Gegensatz verschärfte sich unter Karl I., der 1629–1640 ohne Parlament regierte. Als sich die Schotten gegen die Unterwerfung unter die englische Staatskirche zur Wehr setzten, war der König, um das zur Aufstellung eines Heeres nötige Geld zu erhalten, gezwungen, 1640 das Parlament einzuberufen. Dieses beschnitt die Rechte des Königs und stellte sich auf die Seite der streng kalvinistischen Puritaner. Die Puritaner schlugen unter Oliver Cromwell die Königlichen in offener Feldschlacht. Mit der Hinrichtung des Königs 1649 nahm England die republikanische Staatsform an. Der eigentliche Herrscher (als „Landprotektor“) war Cromwell, der die aufständischen Schotten niederwarf und Irland eroberte. Die Navigationsakte 1651 sicherte er britischen Kaufleuten das Recht zum Handel mit den neuen Kolonien, versetzte vor allem dem holländischen Seehandel einen vernichtenden Schlag. 1660 wurde das Königtum wiederhergestellt. Karl II. vermied den offenen Kampf mit dem Parlament, sein katholischer Bruder Jakob II. (1685–1688) konnte ihm in der Herrschaft folgen. Da dieser die Rückführung Englands und Schottlands zum Katholizismus erstrebte, wurde er durch seinen vom Parlament gerufenen Schwiegersohn Wilhelm von Oranien vertrieben (Glorreiche Revolution); dieser wurde als Wilhelm III. englischer König.
Der durch die Ausbeutung der Kolonien in das Land strömende Reichtum hob England über die anderen europäischen Mächte empor. Wilhelm III. bekämpfte die stärkste Festlandsmacht, das Frankreich Ludwigs XIV., und sicherte sich dabei die Unterstützung der anderen europäischen Mächte. Im Spanischen Erbfolgekrieg nach dem Tod von Karl der V (1701–1714) wurde Frankreich entscheidend geschwächt; der Friede von Utrecht 1713 brachte außer Kolonialgewinn in Nordamerika die Bestätigung des Besitzes von Gibraltar und damit die englische Präsenz im Mittelmeer. Unter Königin Anna (Stuart) wurden England und Schottland 1707 auch staatsrechtlich vereinigt und führten seitdem den Namen Großbritannien. Nach der Restauration der Monarchie konnte England ab 1714 auch unter den Königen aus dem Hause Hannover seine Stellung als Kolonialmacht ausbauen und profitierte dabei von den kriegerischen Auseinandersetzungen der europäischen Rivalen auf dem Kontinent.
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