Das Kaisertum der Habsburger - Heiliges Römisches Reich 1500 bis 1714

Erste Kontakte mit dem König- & Kaisertitel der Habsburger

Mit der Wahl Rudolfs I. von Habsburg (1273-1291) kam es zu einem Wiedererstarken der Königsmacht. Er reorganisierte nach der herrschaftslosen Zeit des Interregnums die Verwaltung des Reichsgutes und erließ einen Landfrieden; mit dem Erwerb der Herzogtümer Österreich, Steiermark und Krain nach seinem Sieg über Ottokar II. von Böhmen für sein Haus schuf er die Grundlage für den Aufstieg der Habsburger. Nach seinem Tod wurde der vergleichsweise unbedeutende Adolf von Nassau (1292-1298) gewählt, aber wegen seiner aggressiven Hausmachtpolitik von den Kurfürsten wieder abgesetzt und durch Albrecht I. (1298-1308), den Sohn Rudolfs I., ersetzt, der sich ebenfalls auf die Hausmachtpolitik konzentrierte. Nach Albrechts Tod kam mit Heinrich VII. (1308-1313) das Haus Luxemburg zum Zuge


Die Habsburger als Kaiserfamilie des Hl. Römischen Kaiserreiches
1438-1556


Seit der Wahl Albrechts II. (1438-1439), Sigismunds Schwiegersohn, blieb die Krone trotz Fortbestehens des Wahlrechts bis zum Ende des alten Reiches beim Haus Habsburg. Friedrich III. (1440-1493) suchte im Einklang mit dem Papsttum durch eine gezielte Personalpolitik in der Reichskirche, seine Herrschaft im Reich zu untermauern und mit Hilfe einer rigiden Steuerpolitik die Finanzen des Reiches, dessen materielle Gundlage in Form von Reichsgut praktisch aufgezehrt war, aufzubessern. Weniger durch aktive Politik als vielmehr durch passives Beharren konnte sich Friedrich gegen innere und äußere Gegner behaupten.

Friedrichs größter Erfolg war die Verheiratung seines Sohnes Maximilian I. (1493-1519) mit der Erbtochter des mächtigen Herzogs Karl des Kühnen von Burgund, wodurch das burgundische Reich an das Haus Habsburg fiel. Angesichts zahlreicher Missstände im Reich kam es unter Maximilian zu einer Reihe von Reformen: 1495 wurde mit dem Ewigen Landfrieden ein allgemeines Fehdeverbot erlassen; im selben Jahr wurde ein vom König unabhängiges Reichkammergericht eingerichtet, und 1500 wurde das Reich in zehn Reichskreise eingeteilt, um die Durchsetzung des Landfriedens zu gewährleisten. Allerdings gingen durch diese Maßnahmen erneut Herrschaftsrechte vom König auf die Reichsfürsten über, die damit eine weitere Stärkung ihrer Macht gegenüber dem König erfuhren und bei denen inzwischen der Schwerpunkt der Herrschaftsgewalt lag. Die Schweizer Eidgenossenschaft, welche die Übertragung der Reichsreform auf ihr Territorium ablehnte, schied nach dem Schwabenkrieg 1499 de facto aus dem Reichsverband aus. Für sein eigenes Haus sicherte Maximilian, der als erster römisch-deutscher Herrscher ohne päpstliche Krönung den Kaisertitel angenommen hatte, die Anwartschaft auf die böhmische und auf die ungarische Krone, und mit der Verheiratung seines Sohnes Philipp des Schönen mit Johanna der Wahnsinnigen gelang ihm die Vereinigung des spanischen Reiches inklusive Neapel-Sizilien mit Burgund und den habsburgischen Erblanden in den Händen seines Enkels und Nachfolgers Karl V. (1519-1556).

Das Zeitalter der Reformation mit Karl V und Ferdinand I
1556 bis 1576


Deutschland war gegenüber seinem spanisch-habsburgischen Reich für Karl nur ein Nebenland, dessen Angelegenheiten hinter seinen dynastischen Interessen, etwa der langwierigen Auseinandersetzung mit Frankreich um das italienische und das burgundische Erbe, zurückstehen mussten. 1521/22 überliess er seinem Bruder Ferdinand I. die österreichischen Erblande und übertrug ihm die Statthalterschaft im Reich; 1526 erhielt Ferdinand Böhmen und Ungarn, und 1531 wurde er, nachdem Karl im Jahr zuvor als letzter Herrscher vom Papst zum Kaiser gekrönt worden war, offiziell zum römischen König gewählt.

Die Reformation, eingeleitet durch die Veröffentlichung der 95 Thesen am 31. Oktober 1517, in denen Martin Luther die alte Kirche anklagte, wurde zunächst vor allem durch die Humanisten, die der Kritik an den bestehenden Strukturen und Dogmen der Kirche überwiegend zustimmten, verbreitet. Während jedoch die vielschichtige reformatorische Bewegung zunächst nicht nur auf die Reform der Kirche abzielte, sondern gleichzeitig auch politisch-soziale Veränderungen anstrebte, konzentrierte sie sich nach der blutigen Niederschlagung der Aufstände der rechtlich, sozial und wirtschaftlich unterdrückten Bauern durch die Landesherren im Bauernkrieg von 1524/25 auf die konfessionelle Auseinandersetzung.

1521 verteidigte Luther auf dem Reichstag zu Worms seine Lehre und verweigerte den Widerruf, woraufhin ihn Karl im Wormser Edikt zum Ketzer erklärte und die Reichsacht über ihn verhängte. Die weitere Ausbreitung der Reformation konnte damit jedoch nicht verhindert werden. Da der Kaiser auch der Beschützer der Kirche und des rechten Glaubens war, durfte die Frage nach der Religion nicht der Gewissensfreiheit des Einzelnen überlassen werden, sondern war eine Sache des Kaisers und der Reichsverfassung. Den streng katholischen Kaiser allerdings hielten seine dynastischen Kriege sowie die Abwehr der Türken davon ab, im Reich eine tragbare Lösung für die Glaubensfrage zu finden. Der Nürnberger Reichstag beschloss 1524 die Übertragung der Regelung der Glaubensfrage an ein Nationalkonzil, das einen bis zu einem allgemeinen Konzil gültigen vorläufigen Beschluss fassen sollte (das allgemeine Konzil, das Tridentinum, fand erst von 1545 bis 1563 statt und besiegelte die Spaltung der Kirche).

1526 entschied der Reichstag zu Speyer, dass bis zu einem endgültigen Konzilsentscheid die Glaubensfrage jedem Landesherrn freigestellt sein sollte und schuf damit die Rechtsgrundlage für die Herausbildung der evangelischen Landeskirchen., 1529 beschloss auf einem zweiten Reichstag zu Speyer die altkirchliche Partei die Durchführung des Wormser Edikts, wogegen die Anhänger der Reformation unter der Führung des Landgrafen Philipp I. von Hessen eine Protestation einreichten (daher die Bezeichnung "Protestanten"). Der Reichstag zu Augsburg 1530, auf dem die Protestanten ihre Lehre, das Augsburger Bekenntnis, vorlegten, brachte wiederum keine Einigung zwischen den Glaubensparteien, so dass sich 1531 die protestantischen Fürsten und Städte mit dem Ziel, die Errungenschaften der Reformation gegenüber Kaiser und altkirchlichen Fürsten zu verteidigen und ihre Ausbreitung zu fördern, zum Schmalkaldischen Bund zusammenschlossen. 1547 besiegte Karl den Schmalkaldischen Bund; als er in der Folge jedoch dazu ansetzte, das föderalistisch strukturierte Staatswesen zu Lasten der Fürsten in ein monarchisch-zentralistisches umzuwandeln, sich außerdem auch in Reichsangelegenheiten zunehmend auf spanische Berater stützte, provozierte er einen Aufstand nicht nur der protestantischen Fürsten, die 1552 unter der Führung von Moritz von Sachsen und mit französischer Unterstützung den Kaiser zur Flucht zwangen. Im Passauer Vertrag von 1552 musste Ferdinand den Protestanten die freie Religionsausübung gewähren; der Friede von Augsburg von 1555 gestand den protestantischen Reichsständen die reichsrechtliche Gleichstellung zu und besiegelte mit der Übertragung der Kirchenhoheit an die Landesherren (cuius regio, eius religio) die konfessionelle Spaltung Deutschlands.

1556 dankte Karl zugunsten seines Bruders als Kaiser ab und gestand damit implizit das Scheitern seiner universalen christlichen Kaiseridee ein, die er nach hochmittelalterlichem Vorbild wieder zu beleben versucht hatte, in der Deutschland aber nur noch eine nebengeordnete Rolle zugekommen wäre. Ferdinand I. (1531/1556-1564), durch Türkenkriege abgelenkt, bemühte sich im Reich um Ausgleich und die Überwindung der Glaubensspaltung. Ferdinands Sohn und Nachfolger Maximilian II. (1564-1576) neigte stark dem Protestantismus zu, verzichtete jedoch aus politischen Gründen auf einen Übertritt. Auch ihm gelang die Versöhnung zwischen den konfessionellen Parteien nicht.

Die Gegenreformation 1576-1619

Bereits unter Ferdinand setzte mit Schwerpunkt in Süddeutschland und Österreich die Gegenreformation ein; ihre Träger waren zunächst vor allem die Jesuiten, die sich unter der Führung von Petrus Canisius in Süddeutschland etablierten. Unter Rudolf II. (1576-1612), der am spanischen Hof streng katholisch erzogen worden war, verschärfte sich, vom Kaiser gefördert, die Gegenreformation und bediente sich zum Teil gewaltsamer Mittel: Im Kölnischen Krieg 1582 bis 1584 wurden spanische Truppen eingesetzt, um die Einführung der Reformation in Köln zu verhindern, und 1607 führte der bayerische Herzog Maximilian I. die Reichsstadt Donauwörth gewaltsam zum Katholizismus zurück. 1609 bildete sich unter bayerischer Führung die katholische Liga.

Gegen alle diese bewegen schlossen sich 1608 unter kurpfälzischer Führung die protestantischen Reichsstände zur Union zusammen; Rudolf verlor im Reich zusehends an Durchsetzungskraft, so dass die Kurfürsten beschlossen, den Kaiser noch zu Lebzeiten durch seinen Bruder Matthias (1612-1619) zu ersetzen; es kam jedoch erst nach Rudolfs Tod zum Thronwechsel. Der Jülich-Klevesche Erbfolgestreit (1609-1614), im Grunde die Auseinandersetzung zwischen einigen Reichsfürsten um das klevesche Erbe, wurde aus konfessionellen Gründen zu einer internationalen Angelegenheit; aber noch konnte verhindert werden, dass diese territorialpolitisch-konfessionelle Auseinandersetzung zu einem großen europäischen Krieg wurde, u. a. dank der Bemühungen des nach Ausgleich strebenden Matthias; die zunehmende Polarisierung zwischen den religiösen Parteien konnte er jedoch nicht mehr abwenden.

Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Friede 1648

Ferdinand II. (1619-1637) betrieb erneut eine rücksichtslose Rekatholisierungspolitik, sowohl in Österreich als auch in Böhmen, wo er seit 1617 König war. Er verletzte damit die von Rudolf II. den böhmischen Ständen im Majestätsbrief von 1609 garantierte Religionsfreiheit und trug so zum Ausbruch des Böhmischen Aufstands bei, der den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) einleitete. Der Krieg, der als Glaubenskrieg begann, schlug bald in einen europäischen Machtkampf zwischen den Habsburgern, Spanien, Frankreich und Schweden um, denen sich jeweils deutsche Fürsten anschlossen, und wurde zum größten Teil auf deutschem Boden ausgetragen. Bei Kriegsende war Deutschland in regional unterschiedlichem Maße verwüstet und die Bevölkerung im Vergleich zum Vorkriegsstand um etwa die Hälfte dezimiert.

Der Westfälische Friede von 1648 verkleinerte das Reich um die nördlichen Niederlande und die Schweiz, die beide endgültig aus dem Reichsverband ausschieden, um das Elsass, das an Frankreich ging, und um die Oder-, Weser- und Elbemündung, die an Schweden fielen; zugleich schrieb er die territorialen Veränderungen innerhalb des Reiches, die vor allem zugunsten Kurbrandenburgs gingen, fest. Von größter Bedeutung für das Reich waren die verfassungs- und religionspolitischen Bestimmungen des Westfälischen Friedens, die bis zum Ende des alten Reiches 1806 die Grundlage der Reichsverfassung bildeten: Er erkannte die Gleichberechtigung der Konfessionen an, legte den konfessionellen Besitzstand auf der Grundlage des "Normaljahres" 1624 fest und untersagte in Religionsfragen Mehrheitsbeschlüsse des Reichstages. Er bestätigte die Zersplitterung des Reiches in beinahe 300 Einzelstaaten und gestand den Landesherren nahezu volle Souveränität zu, d. h. auch das Recht, Bündnisse mit ausländischen Mächten zu schließen, sofern sie nicht gegen das Reich gerichtet waren. Es entstanden vom Absolutismus geprägte Staaten (u. a. Österreich, Brandenburg-Preußen), in denen die Landstände meist an Macht verloren, die Verwaltung vereinheitlicht wurde und stehende Heere gebildet wurden. Die Wirtschaft war von Merkantilismus und Kameralismus geprägt, welche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Liberalismus verdrängt wurden. Deutschland stand unter starkem Einfluss Frankreichs, das mit Schweden und Polen paktierte sowie Beziehungen zu den Türken unterhielt. Innenpolitisch konnte der französische Nachbar über die kooperierenden Wittelsbacher und rheinischen Fürsten Entscheidungen beeinflussen.Durch die Friedensschlüsse von Nimwegen (1678/79), die sich dem ersten Reichskrieg gegen den französischen König Ludwig XIV. anschlossen, wurde Frankreich die Stadt Freiburg (Breisgau) zugesprochen, des Weiteren konnte es durch Reunionen im Lauf der Zeit das ganze Elsass gewinnen. 1681 erfolgte die französische Besetzung von Straßburg. Der Kaiser wurde in seinen Rechten weiter beschränkt und bei allen Entscheidungen, die das Reich betrafen, an die Zustimmung der Reichsstände gebunden. Aufgrund seiner verfassungsrechtlich festgeschriebenen Territorialisierung blieb das Reich bis zu seinem Ende ein Machtvakuum.

Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg (ab 1688, beendet durch den Frieden von Rijswijk, 1697) musste Frankreich seine rechtsrheinischen Eroberungen und Lothringen wieder abtreten. Das Elsass und Straßburg blieben jedoch in französischen Händen. Infolge der Belagerung Wiens (1683) durch die Türken waren die kaiserlichen Kräfte gebunden. Leopold I. konnte die Stadt mit Unterstützung von Johann III. Sobieski befreien. Im folgenden Großen Türkenkrieg (bis zum Frieden von Karlowitz, 1699) verloren die Osmanen Siebenbürgen und Ungarn (ausgenommen das Banat, einschließlich großer Teile Kroatiens und Serbiens). Damit hatte Österreich eine europäische Großmachtstellung erlangt, die es im Anschluss an den Spanischen Erbfolgekrieg (beendet durch die Friedensschlüsse von Rastatt und Baden, 1714) noch ausbauen konnte (Zugewinn der Spanischen Niederlande, Mantuas, Sardiniens, Mailands und Neapels).
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