Das Kiewer Reich und das frühe Russland 626 n. Chr. - 1600

Frühgeschichte der Ostlsawen in Russland, Weissrussland (Kiew)
und der Ukraine


Nach 395 Entstehung des Byzantinischen Reiches (Oströmisches Reich) durch die Teilung des Römischen Reiches (griechisch-orientalische Reichshälfte der griechisch-christlichen Kultur) war Byzanz die dominierende Macht in der Region von Osteuropa im Frühen Mittelalter. Um 482 Kiew wurde als eine befestigte Siedlung auf den Dnjepr-Hügeln gegründet. war das südrussische Steppengebiet beherrscht von meist türkischen Reitervölkern, die durch die sogenannte Völkerpforte zwischen Ural und Kaspischem Meer nach Europa eindrangen. Im nördlichen Waldgürtel lebten die baltischen und finnischen Stämme im vorgeschichtlichen Zustand. Armenien, Mesopotamien, Ägypten und Syrien gehen an die Araber (634 - 646); Siegeszug des Islam (seit 636); selbständiges Bulgarenreich. 7. bis 9. Jh. Von ihren Ursitzen nördlich der Karpaten drang ein Teil der Slawen siedelnd in die Gebiete des Dnjepr, der Düna, der oberen Oka und der oberen Wolga vor. Die ostslawischen Stämme, die die Osteuropäische Ebene besiedelten, begannen, sich zu vereinigen. Der "Bilderstreit" 726 - 843 Ikonoklasmus; den Bilderverehrern; die Synode von 843 von Konstantinopel entschied zugunsten, wurde Abgötterei und Häresie vorgeworfen. Begründung des Bilderverbots der Ikonoklasten war Kaiser Leo III.; 726 im Alten und Neuen Testament 2. Mose 20,4; Apg. 17,29 führte zu einer inneren Krise des Byzantinischen Reiches, in deren Verlauf sich Rom, im Kampf gegen die Langobarden vom Kaiser im Stich gelassen, aus dem Reichsverband löste und sich dem Fränkischen Reich zuwandte.

Gründung des Warägerreiches der Rus um Kiew
Das frühe Russland um 882-1169


Der Ursprung Russlands geht auf den Vikingerfürsten Rurik zurück, der im Jahr 862 nach Russland kam und die erste russische Dynastie in Novgorod gründete. Im Verlauf des 9. Jahrhunderts wanderten Vikinger von Skandinavien nach Süden und stiessen ins heute europäisches Russland vor. Bereits im 7. Jahrhundert hatten sich nach der grossen Völkerwanderung ostslawische Völker bis nach Kiew und Novgorod ausgebreitet. 879 Oleg (skandinavisch-russischer Fürst; † 912 oder 922) übernimmt die Herrschaft in Nowgorod, 882 eroberte er Kiew und unterwarf ostslawische und finnische Stämme in Zentralrussland. Die Vereinigung dieser beiden am Nord-Süd-Handelsweg gelegenen Umschlagplätze unter Verlagerung des politischen Zentrums nach Kiew bedeutete die Entstehung des Kiewer Reiches (Kiew war Hauptstadt bis 1169). Die Kiewer Rus ist die früheste staatliche Bildung der Ostslawen. Ein Feldzug gegen Konstantinopel 911 brachte Oleg eine hohe Tributzahlung. Das auf Handel beruhende Staatswesen regelte die Beziehungen zu Byzanz in einem ersten günstigen Handelsvertrag. Igor 912 - 945 wird Fürst von Kiew (* 877, † 945 von Drewljanen bei Tributeinziehung erschlagen; Sohn Rjuriks). Er unterwarf die ostslawischen Stämme der Ulitschen und der Drewljanen und zog gegen Byzanz. 962 - 972 Unter dem Großfürsten von Kiew Swjatoslaw I. († 972 im Kampf gegen Petschenegen gefallen) zeigte Kiew seine erste ungestüme Machtentfaltung in Feldzügen gegen noch unabhängige ostslawische Stämme. Um 965 unterwarf die Chasaren und Wolgabulgaren sowie 967 - 971 das Donaubulgarische Reich. Donaubulgarien konnte gegen Byzanz nicht gehalten werden. Wladimir der Heilige 978 - 1015 ist Großfürst von Kiew (* um 956, † 1015; Sohn Swjatoslaws) eroberte Gebiete von Polen 981und dehnte die Herrschaft über alle ostslawischen Stämme aus. Eine bis in die Gegenwart nachwirkende Entscheidung war die Taufe 988 und damit die Übernahme des Christentums orthodox-byzantinischer Prägung, der sich mit der "pupurgeborenen" byzantinischen Prinzessin Anna (Schwester Basileus' II.) vermählte (Gegenleistung für seine Hilfe im Kampf gegen die Bulgaren). Die verschiedenen Stämme wurden durch die Verbreitung des Christentums im nachfolgenden Jahrhundert vereinigt. Während des 11. Jahrhunderts hielten die Herzöge von Kiew eine dominierende Rolle inne. Russland erreichte unter dem Kiewer Großfürsten Jaroslaw I., dem Weisen 1019-1054 (Sohn Wladimirs; * 978, † 1054) den Höhepunkt seiner ersten Kulturblüte und seiner politischen Macht (ersetzte Blutrache durch Wergeld [Russkaja Prawda]; enge dynastische Beziehungen zu Westeuropa und Skandinavien), erobert Galizien von den Polen 1031 und besiegt die Petschenegen 1036. Nach dem Vorbild der Hagia Sophia von Konstantinopel läßt Jaroslaw etwas vergleichbares in Kiew bauen 1037, die Metropolitankirche der heiligen Sophia. 1037-1448 Während Kiew zuerst wohl dem Patriarchat von Ochrid (Bulgarien; die russische Kirche hat sich wahrscheinlich von der Taufe an in jurisdiktioneller Abhängigkeit vom Patriarchat Konstantinopel befunden; in der Regel wurden Griechen als Metropoliten von dort entsandt) unterstand, gehörte es nunmehr als Metropolie zum Ökumenischen Patriarchat (Konstantinopel). Dies eröffnete der Rus' die geistlichen und theologischen Schätze des "Neuen Rom". Als Hauptursache für den Verfall Kiews ab dem 12 Jh. gelten der Niedergang seines Handels infolge der Sperrung des Dnjepr-Wegs durch die Kumanen (Polowzer; Kiptschak), das Fehlen einer eindeutigen Erbfolgeregelung und das Erstarken der einzelnen russischen Territorien. Den sich unter Jaroslaws Söhnen 1113 - 1125 anbahnenden Niedergang und die Zersplitterung des Kiewer Reichs vermochte für kurze Zeit der Großfürst von Kiew Wladimir Monomach aufzuhalten und führte es zu einem letzten Höhepunkt seiner Macht. Sein politisches und geistliches Testament "Ermahnung" ist eines der bedeutendsten Werke altrussischer Literatur. Im Jahre 1147 gründete Jurij Dolgorukij Moskau ( † 1157; Sohn Wladimir Monomachs; erbte das Fürstentum Rostow-Susdal; eroberte Kiew) und liess den ersten Kreml errichten. Der Kiewer Thron, dauernd umkämpft, verlor sein Prestige. Jurij Dolgorukij war sein letzter starker Großfürst 1155 - 1157. Kiew hört als Hauptstadt der Kiewer Rus auf zu existieren 1169. Der Fürst von Nowgorod Igor Swjatoslawitsch († 1202) verliert seinen Feldzug gegen die heidnischen Kumanen 1185. Ab Mitte des 12. Jh. entstanden starke Teilfürstentümer und es begann die Zeit der Mongolenherrschaft (1169 - 1462).

Die Mongolenherrschaft im Reich der Kiew (Russen)

1240 wurde Kiew durch den Einfall von Tartaren/Mongolen zerstört und die ganze Region in kleinere Herzogtümer (Chanate) aufgespalten. In der Folge bildeten sich in Russland 3 politische Zentren: Im Südwesten das Fürstentum Halitsch-Wolynien, im Nordwesten Groß-Nowgorod und im Nordosten das Fürstentum Wladimir-Susdal. Sieg der Mongolen über die Polowzer und die russischen Großfürsten in der Schlacht an der Kalka 1223. Das westliche Eroberungsgebiet (Khanat Kiptschak; zwischen Kaukasus, mittlerer Wolga, Kama, Ural, Kaspischem Meer und Aralsee) nennt man Goldene Horde (Reich bzw. grosses Heerlager Tschutschis, ältester Sohn Tschingis Khans [† 1227; er teilte das Reich unter seine Söhne auf]). Das Mongolische Reich dehnte sich damit weit über den asiatischen Kontinent bis nach Russland (Chanat der goldenen Horde) aus. Die folgenden zwei Jahrhunderte sahen den Aufstieg von Moskau als provinzielle Hauptstadt und Zentrum der orthodoxen Kirche. Die Fürstentümer Rjasan, Wladimir und Moskau fallen unter die Herrschaft der Mongolen (Batu-Chan [Enkel Tschingis Chans; † 1255), eroberte 1241 Polen und Schlesien sowie auch die anderen zahllosen kleinen süd- und südwestrussischen Fürstentümer und 1237 wurde Moskau von den Mongolen zerstört. 1239 - 1241 eroberte das Heer Batus Südrußland (Kiew, Tschernigow u. a.). Kiew wird von den Mongolen 1240 zerstört. Mit der Vernichtung der um Kiew zentrierten Kultur wird die Verbindung zur byzantinischen Mutterkirche schwächer. Die geschwächte Stellung der Rus durch die Einfälle der Mongolen nützten die deutschen und schwedischen Feudalherren dahingehend aus, daß sie einen Schlag gegen die reiche Nowgoroder Stadtrepublik führten. Jedoch gelang es den Nowgorodern unter der Führung des Fürsten Alexander, die Schweden am Oberlauf der Newa zu schlagen (Beiname Newskij). Alexander Newskij 1241 schlägt den vordringenden Deutschen Orden (Ritterorden) auf dem Eis des Peipussees und verhindert ein Vordringen nach Nowgorod. Grossfürst von Wladimir Alexander Newskij 1252 - 1263 erkauft sich durch eine Politik der Willfährigkeit gegenüber den Mongolen eine gewisse Erholung des Landes. Schon unter Mongolenherrschaft setzte ein Kristallisationsprozess um das relativ junge Teilfürstentum Moskau ein (zentrale Lage zu den russischen Fürstentümern, wichtige Handelswege). 1263 - 1303 konnte Daniel durch eine geschickte Bündnispolitik das Moskauer Gebiet bedeutend erweitern. 1303 - 1341, seine Söhne Jurij (1303 - 1322) und Iwan I. Danilowitsch (1328 - 1341; Kalita [tatar. "Geldsack"]; 1325 Fürst von Moskau; 1328 Großfürst von Wladimir und Moskau; † 1341; durch seine umsichtige Sicherheits- und Wirtschaftspolitik stärkte er seine Finanzkraft) sicherten in blutigen Auseinandersetzungen mit den Fürsten von Twer (Kalinin) und durch Willfährigkeit gegenüber den Mongolen (als Tributeinnehmer) die Großfürstenwürde für die Moskauer Dynastie. Moskau wurde auch das religiöse Zentrum der Rus durch die Verlegung der Residenz des Metropoliten aus Wladimir nach Moskau (Hegemonie Moskaus in Rußland). 1313 - 1341unter Chan Ösbek (Chan Usbek; danach Usbeken) erreichte die Goldene Horde eine bedeutende Macht (Durchsetzung des sunnitischen Islams). 1322 wird Kiew durch Gedymin (1316 - 1341) dem Großfürstentum Litauen angegliedert (Großlitauisches Reich). Der Metropolit siedelt 1326 nach Moskau über. 1359 - 1389 Demetrius (Dmitrij) Iwanowitsch († 1389; 1359 Fürst von Moskau) veranlaßte bereits die meisten russischen Fürsten zur Heerfolge gegen die Mongolen, wo Erbfolgestreitigkeiten ausbrachen und vereinigte mehrere russische Teilfürstentümer mit Moskau und wird 1363 Großfürst von Wladimir. Erst nachdem Tochtamysch 1376 vom Emir Timur zum Groß-Khan der Goldenen Horde eingesetzt worden war, konnte das vereinigte Reich nochmals bis 1395 aufblühen (Vertreibung Tochtamysch durch Timur). 1380 siegte Demetrius Donskoj auf dem "Schnepfenfeld" am Oberlauf des Don (siegte als erster russische Fürst in offener Feldschlacht) gegen Chan Mamai (Goldene Horde), was aber noch nicht das Ende der Mongolenherrschaft bedeutete. Der Großfürst von Wladimir und Moskau Wasilij I. Dmitrijewitsch † 1425) förderte die Einigung Rußlands 1389 - 1425 durch Erwerbung einiger Fürstentümer (1392 Nowgorod). Im 15. JH. bildeten sich die selbständigen Khanate Astrachan, Krim (um 1430) und Kasan, die teils unter russischer, teils unter osmanisch-türkischer Herrschaft fielen. 1425 - 1462, nachdem der Großfürst von Moskau Wassilij II. Wasiljewitsch Tjomnyj (der Geblendete; Sohn Wassilij I.;† 1462) in einem 25jährigen Thronkrieg gegen seinen Onkel Jurij von Halitsch und dessen Söhne gesiegt hatte, setzte sich in Moskau die Primogenitur (lat.: Erstgeburt) durch. Gleichzeitig beseitigte Wassilij fast alle kleineren Teilfürstentümer. Die Russische Kirche wurde autokephal1448 (unabhängig von Konstantinopel). Mit der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen begriff sich die russische als die zahlenmäßig größte orthodoxe Landeskirche auch als Schutzmacht der Orthodoxen des Vorderen Orients und des Balkan. Ab 1462 mit Iwan III. begann die Zeit des Moskauer Staates (1462 - 1712).

Die Befreiung und das Zarenreich Russland

Im späten 15. Jahrhundert befreite Herzog Ivan III Russland vom Mongolenjoch und erwarb Novgorod und Tver. Ivan IV der Schreckliche (1533-84), der erste Moskauer Zar, vollendete den Aufstieg Moskaus zur Zarenhauptstadt mit der Liquidierung sich rivalisierenden Prinzen und der Boiaren (Grossgrundbesitzer). 1613 begründet Michael Romanow die Zarendynastie der Romanow, welche bis 1762 regierte. Peter das Grosse (1689-1725), ein Enkel Michael Romanows, machte Russland zur Grossmacht in Nordeuropa. Mehr über die Geschichte der Zarenfamilie der Romanows von Ivan dem Schrecklichen bis zur Revolution / 1. Weltkrieg und Geschichte der Russen in den nächsten Epochen der Renaissance und der Aufklärung sowie der Aufstieg der Kommunisten und der Sowjetunion in der Moderne.
Artikel 3059 Mal angezeigt.