Italien nach der Völkerwanderung 6. Jh. bis 15 Jh.

Vorgeschichte

Die Teilung des Römischen Reiches 395 und die Eroberung Roms durch die Westgoten 410 leiteten den Niedergang des römischen Weltreiches ein. Die Westgoten zogen zwar ebenso wie die Vandalen, die 455 Rom brandschatzten, bald wieder ab. Doch mit dem Sturz des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus 476 durch germanische Söldner war der Untergang besiegelt und die Einheit der vormaligen Zentralprovinz Italien dauerhaft zerstört. 1400 Jahre, bis ins 19. Jahrhundert, war Italien mit nur kurzen Unterbrechungen Spielball und Aufmarschgebiet fremder Mächte. Während zu Zeiten des Kaisers Augustus noch weit mehr als eine Million Menschen in Rom gelebt hatten, waren es im 8. Jahrhundert nicht einmal mehr 30 000.

Die Langobarden in Italien bis zur Frührenaissance
6. Jh. bis 15. Jh.


Seit dem 6. Jahrhundert kämpften Langobardenkönige, byzantinische Exarchen und römische Päpste erbittert um die Macht in Italien. Die Päpste baten die Franken um Unterstützung gegen die Langobarden. So kam es dazu, dass Karl der Grosse 800 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Von 962-1250 verknüpften sich die deutsche und die italienische Geschichte. Die deutschen Kaiser regierten im "Heiligen Römischen Reich" Nord- und Mittelitalien. Im Investiturstreit prallten seit 1075 die Machtansprüche der Kaiser und Päpste aufeinander, König Heinrich IV. musste 1077 im Büsserhemd nach Canossa ziehen. Jahrhundertlang spaltete sich die Bevölkerung in nahezu jeder Stadt des nördlichen und mittleren Italien in die päpstliche Partei der Guelfen und die kaiserliche der Ghibellinen. Die oberitalienischen Städte waren die Wiege des Kapitalismus. Dort kam es seit dem 11. Jahrhundert zum Aufstieg eines neuen Unternehmertums. In Venedig, Mailand, Genua, Pisa und Florenz wurden die modernen Formen von Börse, Buchhaltung und Geldverkehr erfunden, aber auch die ersten Universitäten (Parma, Bologna) gegründet. In kultureller Hinsicht war das 15. Jahrhundert der Höhepunkt.

Die Handelsstadt Venedig 8. bis 15. Jh.

Venedig wurde im Altertum von den Venetern bewohnt. Nach der Zerstörung des Bischofssitzes Aquileia und anderer wichtiger Städte Venetiens durch Attila 452 flüchteten viele Bewohner Venetiens auf die Laguneninsel und begannen dort auf künstlichem Baugrund die Stadt zu bauen. Der Einfall der Langobarden (568), vor denen auch der Patriarch von Aquileja mit dem Kirchenschatz nach Grado flüchtete. Die Inseln blieben zunächst im Verwaltungsbereich des byzantinischen Exarchen von Ravenna, dem der für die Provincia Venetiarum zuständige Magister militum, später der Dux (der Doge) unterstand.

Mit der Zurückdrängung des byzantinischen Einflusses im 8.Jh. gewann das Amt des nun von Adel und Klerus gewählten Dogen an Bedeutung. 774 wurde das Bistum gegründet , 811 die Residenz des Dogen von Malamocco auf die geschützter liegenden Rialto - Inseln verlegt. Durch einen Vertrag mit byzantinischen Kaiser LOTHAR I. sicherte sich das entstehende Gemeinwesen 840 die Freiheit des Pohandels und wurde um 900 befestigt. 828 wurden die Requilien des hl. Markus in Alexandria (Ägypten) geraubt und nach Rialto überführt; daher die spätere Bezeichnung MARKUSREPUBLIK oder REP. VON SAN MARCO. Im 10.Jh. wurde die Siedlung noch Civitas Rivoalti genannt. Bereits im 8. Jahrhundert war Venedig Seemacht. Die unabhängige Stadtrepublik bildete sich im 11. Jahrhundert unter Führung der Dogen, beraten durch den Grossen Rat (Rat der Weisen). Um 1000 begann Venedig im Interesse seines Orienthandels die Küsten Istriens und Dalmatiens zu unterwerfen, und während der Kreuzzüge entstand sein Kolonialreich auf dem Balkan bis nach Kleinasien. Während die Macht des Dogen 1172 durch den Grossen Rat, neben dem es auch den kleinen Rat gab, beschränkt wurde, eroberte die Republik von San Marco an allen Küsten der Levante Handelsstützpunkte. Unter dem Dogen Enrico Dandolo wurde mit Hilfe der Kreuzfahrer (4. Krezzug) 1203 Konstantinopel erobert und das Byzantinische Reich zerstört resp. stark geschwächt.

Der Wettstreit mit Genua führte ab dem 13.Jh. zu Auseinandersetzungen, die mit dem Sieg über die genuesische Flotte 1380 bei Chioggia (Chioggiakrieg) und dem Frieden von Turin (1381), die die Anerkennung der venezianischen Vorherrschaft im Östlichen Mittelmeer brachten. Durch die Beschränkung des Grossen Rats auf bestimmte Familien entstand die Einsetzung des Rats der Zehn (Consiglio die Dieci) und später der Inquisitori di Stato. Zur Wahrung der Staatssicherheit wurde die obligatorische Verfassung gefestigt. Von den vom Grossen Rat eingesetzten Kommissionen mit richterlichen Und politischen Befugnissen entwickelten sich ab dem frühen 13.Jh. der Rat der Vierzig (Quarantia) und der Senat zu wichtigen Zentralbehörden. Anschläge auf die Verfassung, z.B. der versuchte Staatsstreich des Dogen M. Faliero in Verbindung mit den Popolanen 1355, wurden unterdrückt und streng geahndet. Ab Ende des 14.Jh. begann Venedig seine Herrschaft auch auf das Festland auszudehnen und erreichte im Frieden von Lodi (1454) die Adda als Grenze gegenüber Mailand. Nach dem Fall Konstantinopels (1453) musste Venedig in immer neuen Verträgen auf seinen Besitzungen im östlichen Mittelmeer zugunsten der Osmanen verzichten (siehe Aufstieg der Osmanen in der Epoche der Renaissance). Mehr über die Kunst- und Handelsstadt Venedig in der Renaissance im Kapitel "Besetztes Italien und seine Stadtstaaten".

Das Königreich Neapel und Sizilien

Nach der Eroberung Süditaliens durch die Normannen Roger I (siehe weiter unten Skandinavien, Wikinger und Normannen) wurde das Königreich Neapel gegründet. Der Staufer Heinrich VI. heiratet die Tochter des Normannen Roger II. und tritt somit in die Erbfolge des Normannenreiches ein. Sein Sohn Friedrich II. formt einen absolutistischen Kaiserstaat. Konflikte mit dem Vatikan führen schliesslich 1266 zur Niederlage des Staufers Manfred gegen Karl von Anjou. Er lässt Konradin, den letzten Staufer 1268 in Neapel hinrichten. Die Epoche der französischen Anjou im Königreich Neapel beginnt nach der Abspaltung Siziliens und ihrer Vertreibung infolge der “sizilianischen Vesper” 1282. Neapel wird Zentrum der Renaissance unter Karl I. von Anjou und Robert “dem Weisen”. Zahlreiche Castelle (z.B. Sankt Elmo in Neapel) entstehen in den Zentren des Königreiches Neapel unter der Herrschaft der französischen Anjou. 1442 erobert Alfons V. von Aragonien das Königreich Neapel und vereinigt es wieder mit Sizilien. Er legt die Grundlage für die spanische Herrschaft über Süditalien im folgenden Jahrhundert.

Genua

Seit dem 10. Jahrhundert selbständige Republik, die von gewählten Konsuln regiert wurde. 1133 Erzbistum. Nach der Vernichtung der Flotte Pisas 1284 gewann Genua die Vormachtstellung im Tyrrhenischen Meer. Wegen der Aktivität Genuas im östlichen Mittelmeer kam es zu einem 100 jährigen Krieg mit Venedig, der bis 1381 dauerte und zugunsten Genuas endete. Die Differenzen der grossen Familien (Doria, Grimaldi) im Innern gaben dem Volk das Übergewicht, das S. Boccanegra zum Dogen wählte (1339). 1353 übertrug man die Herrschaft dem König von Frankreich.
Die toskanischen Städteverbunde (wird folgen)

Pisa Blüte (11.–13. Jahrhundert) gehörte es zu den wichtigsten Seestädten. 1399 kam es an Mailand (Visconti), durch Kauf 1406 an Florenz. 1494–1509 erhielt Pisa seine Freiheit mit französischer Hilfe zurück. 1409 und 1511 fanden in seinen Mauern Konzile statt. Die 1339 von Kaiser Heinrich VII. gestiftete Universität wurde von Lorenzo Medici prächtig ausgestattet.
Artikel 2372 Mal angezeigt.