Das Byzantinische Reich (Ost-Rom) 330 n. Chr. bis 1453

Einleitung (330 n. Chr. - 1453)

Märchenhafter Glanz! Nahtstelle von Orient und Okzident! Oströmisches Reich, Kaiser Konstantin und Justinian - Gründer von Konstantinopel (Byzanz). Bollwerk zwischen Christen und dem schnell verbreiteten Islam. Christianisierung Russlands und die Herkunft der Ordodoxie. 330 n. Chr. verlegte Kaiser Konstantin die Hauptstadt des römischen Reiches nach Konstantinopel und begründete damit das oströmische Reich das später als "byzantinische Reich" oder kurz Byzanz bekannt wurde. Byzanz transformierte das sprachliche Erbe des antiken Griechenland in einen Träger für die neue christliche Zivilisation. Das byzantinische Reich fiel 1453 an die Osmanen (Türken), und die Griechen bleiben fast 400 Jahre lang unter der ottomanischen Herrschaft. Während dieser Zeit bewahrten sie ihre Sprache, ihre Religion und ihre nationale Identität. Am 25 März 1821 erhoben sich die Griechen gegen die Türken und erkämpften bis 1828 ihre Unabhängigkeit. Da der neue Staat nur einen winzigen Teil des Landes umfasste, ging der Kampf für die Befreiung aller von Griechen bewohnten Gebiete weiter. Mehr über das Osmanische Reich, der Türkei und Griechenland später.

Die Byzantinische Reich steht in enger Verbindung mit der altgriechischen und bis zu einem gewissen Grade auch mit der römischen Kulturtradition. Da der byzantinische Staat mit der Hauptstadt Konstantinopel (ehemals Byzanz umgetauft von Kaiser Konstantin im 5. Jh.) aus dem Oströmischen Reich hervorgegangen ist und die Wechselbeziehungen zwischen Ost Orient (Morgenland) und West Okzident (Abendland) in politischer und religiöser Hinsicht fortbestanden haben, versteht sich die Bedeutung der byzantinischen Kultur für die westeuropäische Welt von selbst. Ähnliches gilt für die slavischen und Turkvölker, mit denen Byzanz - in Frieden oder Krieg - ständige Berührung hatte (siehe Osteuropa, die Slawen und der Balkan).

Teilung und Vereinigung des Römischen Reiches 395-1200

395 n. Chr. wurde das Römische Reich in zwei Teile geteilt, das West- und Oströmische Reich. Das Westreich war 476 untergegangen. Die Tradition des römischen Reiches wurde seitdem ausschließlich vom byzantinischen (Ost-) Reich fortgeführt, an dessen Spitze der römische Kaiser stand, der in dem 330 zur Reichshauptstadt erhobenen Konstantinopel (heute Istanbul) residierte. Die Stadt hatte bis dahin den Namen Byzanz getragen. Arkadios ist sein erster Kaiser. Zum oströmischen Reich gehörten anfangs Gebiete in Nordafrikas, im nahen Osten, in Kleinasien und auf dem Balkan. Durch die konfessionellen Gegensätze, besonders zwischen dem orthodoxen Kaisertum und den Monophysiten in Ägypten und Syrien, sowie durch die kulturelle Entfremdung des lateinischen Westens vom griechischen Osten bahnte sich eine Lockerung des Reichsgefüges an. Von den Verträgen der Kaiser mit den auf dem Balkan erscheinenden Goten und deren Abwanderung in den Westen ist bereits die Rede gewesen. Zwischen 533 und 555 konnten kaiserliche Feldherren das Ostgotenreich zerschlagen und weite Teile (Unter-) Italiens der Macht des Kaisers unterwerfen. 554 war den Westgoten ein Teil Spaniens abgenommen worden. Unter Kaiser Justinian, der die Einheit der Mittelmeerwelt wieder herstellen wollte, erreichte das Byzantinische Reich seine grösste Ausdehnung (527-565). Es umfasste das gesamte Mittelmehr mit Ausnahme der Gebiete zwischen Ebro und Rhonemündung. In den Jahrzehnten nach dem Tod Kaiser Justinians (565) gingen diese Gebiete zum größten Teil wieder an die Westgoten bzw. die in Italien einfallenden Langobarden verloren. Im 7. Jahrhundert drangen Avaren und Slaven auf die Balkanhalbinsel vor. Die oströmische Bevölkerung zog sich an die Küste zurück, während das Binnenland von Slaven besiedelt wurde, die teilweise die Oberhoheit des byzantinischen Reiches anerkannten (vgl. die folgenden Kapitel "Die Slawen"). Im 7. Jahrhundert wandelte sich das Byzantinische Reich durch den Verlust der lateinischen Reichsteile aus einem griechisch-lateinischen in einen griechischen Staat. Mit dem Siegeszug des Islam ging Persien (Sassanidenreich), Ägypten und Syrien an die Araber (634 - 643). Im Nord-Osten entstand ein selbständiges Bulgarenreich. Allerdings bestand es nur kurze Zeit. Sein Zentrum lag in Kleinasien und auf dem Balkan. Das 8. und die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts sind durch innere Auseinandersetzungen auf religiösem Gebiet, dem sogenannten Bilderstreit, bestimmt, der sich in zwei Phasen abspielte (726-780; 813-843) und das Reich weiteren Angriffen seiner Feinde aussetzte. Die Umgebung von Rom ging an die Langobarden verloren, die 751 auch Ravenna eroberten. Die das Frankenreich beherrschenden Karolinger übertrugen die vormals byzantinischen Besitzungen in Mittelitalien dem Papst in Rom, der dort einen eigenen, weltlichen Staat errichtete. 811 erlitt Kaiser Nikephoros eine schwere Niederlage gegen die Bulgaren; er fiel im Kampf. In den folgenden Jahrzehnten setzte die von Byzanz vorangetriebene Christianisierung der Slaven auf dem Balkan ein. 902 ging Sizilien an die Araber verloren, die auch auf das unteritalienische Festland übersetzten. Dort erschien 969 mit Kaiser Otto I. ein neuer Machtfaktor, sein Sohn Otto II. verlor allerdings 982 in Kalabrien eine wichtige Schlacht gegen die Araber. Unter Basileios II. (976-1025), der 1018 das Bulgarenreich zerschlagen konnte, erreichte das byzantinische Reich noch einmal einen Höhepunkt seiner Macht. Der Besitz in Unteritalien wurde konsolidiert. Der Versuch, Sizilien zurückzuerobern, scheiterte jedoch 1025. Mitte des 11. Jahrhunderts verschärften sich die religiösen Gegensätze zwischen dem Patriarchen in Konstantinopel und dem römischen Papst. 1054 kam es zum Schisma; Ost- und Westkirche brachen endgültig auseinander. Der Papst unterstützte fortan die seit 1015/16 in Apulien ansässigen Normannen bei der Eroberung vormals byzantinischer Territorien, die bis zum Jahr 1071 dem Reich vollständig verloren gingen. Anschliessend setzten die Normannen auf die Balkanhalbinsel über. Der Kaiser musste gegen sie die venezianische Flotte zu Hilfe rufen und als Gegenleistung Venedig umfangreiche Handelsprivilegien einräumen (1082). Den aus West- und Mitteleuropa stammenden Teilnehmern der ersten Kreuzzuges stand Byzanz deshalb voller Misstrauen gegenüber (1096). Der kleinasiatische Raum wurde von seldschukischen Türken (Osmanen) seit dem 11. Jahrhundert schrittweise erobert. Die Kirche Hagia Sophia ("Heilige Weisheit") in Iznik (Nicäa) wurde vom römischen Kaiser Justinian von 532-537 erbaut. Besonders imposant ist der über 62m hohe Innenraum der von vier massiven Eckpfeilern getragenen Kuppel.


Lateinisches Kaiserreich, Untergang durch die Kreuzfahrer und der Osmanen 1200 bis 1453

Mitte des 12. Jahrhunderts gingen Gebiete auf dem Balkan und in Griechenland an die Normannen verloren. Die Sonderstellung der Kaufleute aus Venedig und anderen Städten Italiens (Genua, Pisa) wurde zur schweren Belastung für die Wirtschaft. In Konstantinopel wuchs der Hass gegen die "Lateiner"; 1182 kam es zu einem Massaker. Im Gegenzug stießen Venedig und die Normannen bis Thessalonkie (Saloniki) vor. Die Gründer des 1185 neu erstandenen Bulgarenreiches besetzten die zentralen und östlichen Teile der Balkanhalbinsel. Der Serbenführer Stephan Nemanja zwang den Byzantinischen Kaiser, die Unabhängigkeit des serbischen Reiches anzuerkennen. Die Teilnehmer des vierten Kreuzzuges, die ursprünglich nach Ägypten wollten, wurden von Venedig nach Konstantinopel umgelenkt. Am 17. Juli 1203 wurde die Stadt von den Kreuzfahrern eingenommen, die man allerdings schon nach kurzer Zeit wieder vertrieb. Bei der zweiten Eroberung am 13. April 1204 richteten sie unter der Bevölkerung ein Blutbad an; die Stadt wurde geplündert. Wertvolle Kunstschätze kamen so in die Heimatländer der Kreuzfahrer, auch nach Deutschland (Staurothek, heute in Limburg an der Lahn). Die Kreuzfahrer gründeten im Mai 1204 ein (lateinisches) Kaiserreich. Der Kaiser erhielt eine Hälfte des Gebietes, die Republik Venedig die andere, zu der vor allem Gebiete in Griechenland und etliche Inseln gehörten. Daneben wurden abhängige Lehnsfürstentümer errichtet, die aber, ebenso wie das Kaiserreich, innerhalb weniger Jahrzehnte wieder von der politischen Landkarte verschwanden. Nach der Plünderung von Byzanz durch die Kreuzfahrer 1204 existierte für 57 Jahre das Lateinische Kaiserreich der westeuropäischen Eroberer. Seit dem 13 Jh. bedrängten die Serben auf dem Balkan und die türkischen Osmanen von Kleinasien aus das zerfallende Reich. In gleichem Maße gewannen die Staaten in byzantinischer Tradition, die an den Rändern des Reiches (Nikaia, Epiros) entstanden waren, an Bedeutung. 1261 konnte Kaiser Michael VIII. Konstantinopel zurückerobern. Seine Nachkommen haben das Reich bis 1453 regiert. Die Gefahr eines Angriffs durch Karl von Anjou, König von Sizilien und Verbündeten des letzten lateinischen Kaisers, konnte Michael durch ein Bündnis mit dem König von Aragón bannen. Nach 1311 konnten die ins Land geholten katalonischen Söldner allerdings um Athen eine eigene Herrschaft errichten. Bürgerkriege führten zum Verlust fast aller kleinasiatischen Besitzungen an die Türken, die 1354 mit Gallipoli ihren ersten festen Stützpunkt in Europa gewannen. Etwa gleichzeitig konnte der serbische Zar Stephan Dusan weite Teile Griechenlands erobern. Nach dessen Tod fiel sein Gebiet an die Türken, die 1361 Adrianopel (Edirne) zu ihrer Hauptstadt machten. 1373 musste sich der Kaiser zum Vasallen des türkischen Herrschers erklären; 1430 fiel Thessalonike. Versuche, mittels Anschluss an die Kirche des Westens von dort politische Unterstützung zu erhalten, scheiterten mehrfach. Am 29. Mai 1453 wurde das seit August 1452 belagerte Konstantinopel durch die Truppen des osmanischen Sultans Mehmed II. erobert; der letzte Kaiser fiel im Kampf. Sultan Mehmet ist der Sohn "Osmans" den Namensgeber der Osmanen. Das byzantinische Reich war untergegangen, auch wenn sich Teile des heutigen Griechenland noch einige Zeit behaupten konnten.


Staatliche & Kulturelle Ordnung

An der Spitze des byzantinischen Staates stand der Kaiser, der unumschränkt (Autokratie) herrschte. Die Kirche wurde vom geistlichen Oberhaupt, dem Patriarchen geleitet. Das Reich wurde zentral von Beamten verwaltet. Die von den Römern eingerichteten Provinzen existierten weiter und wurden später in Bezirke (Themen) unterteilt mit einem Beamten (Stategos) an der Spitze, der militärische und zivile Gewalt vereinte. Das Heer bestand anfangs aus freien Bauern, später hauptsächlich aus angeworbenen Söldner. Neben den von den Grossgrundbesitzern abhängigen Bauern gab es eine breite Schicht von freien Kleinbauern, die den Militärdienst zu leisten hatten. Die Mittelschicht bildeten Kaufleute, Handwerker und der niedere Klerus, die Unterschicht bestand aus Tageslöhnern und Sklaven. Sie städtische Wirtschaft war zum einen durch den Handel bestimmt, zum anderen durch Kunsthandwerk und Metall verarbeitendes Gewerbe sowie durch die Seidenindustrie.

Die Bedeutung der byzantinischen Kultur liegt in der Verbindung traditionell römischer Bestandteile mit orientalischen Elementen. Sie beeinflusste die Kunst der slawischen Völker bin hin zu den Russen, aber auch den katholischen Westen (Venedig, Ravenna, später Sizilien). Neben der Mosaikkunst gilt die Kuppelbasilika (Hagia Sophia), eine Verschmelzung der griechischen Kuppelbauweise mit der römischen Basilika, als besondere byzantinische Leistung, ebenso wie die Ikonen- und Buchmalerei und die Plastik. In der wissenschaftliche Entwicklung Europas wurde Byzanz durch die Bewahrung des griechischen Erbes zu einem Vermittler zwischen Antike und Neuzeit. Das östliche Christentum weigerte sich, Grundüberlegungen der westlichen Kirchen zu übernehmen, wie die Ehelosigkeit der Priester und die Herkunft des Heiligen Geistes aus dem Vater und dem Sohn. Die unterschiedliche Entwicklung der Kirche führte zur Trennung (Schisma um 1054), die erst 1965 formal wieder aufgehoben wurde. Von Byzanz aus wurden die Slawen auf dem Balkan bis nach Böhmen und Mähren, im 10. Jh. das Reich von Kiew missioniert. Einigendes Band war die Bibelübersetzung in der gemeinsamen kyrillischen Schrift, die aus dem Griechischen entstanden war. Die Klöster waren Stätten der Wissenschaft und existierten nach der Eroberung durch die Osmanen noch an einzelnen Orten (Athos) weiter. (Mehr über die Osmanen später)
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