Die Griechen und der Hellenismus 800 - 324 v. Chr.

Die Frühzeit der Griechen (Archaische Zeit 800-500v.Chr.)

In der Archaischen Zeit (800-500 v.Chr.) entstand die Polis (Polis bedeutet Politik), Kolonisation. Die Griechen nahmen allmählich Handelsbeziehungen zu den Mittelmeerländer des Nahen Ostens auf, lernten von der phönizischen Kaufmannschaft die alphabetische Schrift kennen und passten sie ihrer eigenen Sprache an. Eine zweite Welle der Kolonisierung fand um etwa 700 v. Chr. über die Mittelmeerländer, und Schwarzmeerküste (thrakische Küste mit Odessa und Apollonia) bis nach Spanien statt. Sie erbauten neue Städte nach dem Vorbild ihrer Polis die rechtlich aber unabhängig von ihr waren. Um 600 v. Chr. wurde Massilia (Marseille) gegründet. Diese Kolonien waren Siedlungen von Ackerbauern. Einige wurden jedoch nur gegründet, um als Handelstützpunkte zu dienen, besonders am Schwarzen Meer. Man nannte sie "Emporia".

Der gosse Mittelmeerhandel begann zu dieser Zeit, es wurden viele Waren exportiert wie Getreide und Schiffbauholz aus der Schwarzmeergegend, Tongefässe besonders der schwarzen und roten Vasenmalerei Korinths und Athens. Auch wurde Wein und Olivenöl, Honig und Trockenfisch aus Griechenland - Papyrus aus Ägypten - Glas, Elfenbein, Purpurfarbende Stoffe aus Tyrus gehandelt. Die Griechen betätigten sich auch als Zwischenhändler und wetteiferten so mit den Phöniziern, die einige Jahrhunderte zuvor den Handel im Mittelmeerraum beherrscht hatten. Auf diese Weise trugen die Kolonisten zur Verbreitung der Griechischen Kultur und Staatsform bei. Unter den Griechen weckte die Kolonisation das Nationalgefühl und förderte durch die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen die Entwicklung von Philosophie und Wissenschaften.

Die Klassische Poliswelt: Sparta & Athen (ca. 550 bis 324 v.Chr.)

Griechenland mit seinen vielen Bergen und Tälern begünstigte die Ausbildung zahlreicher Polis (unabhängige Stadtstaaten). Anfangs im 8 Jahrhundert schwand deren Macht allmählich dahin. Während der archaischen Epoche 750 bis 500 v. Chr. wurden Athen und Sparta, die sich in ganz unterschiedlcher, ja gegensätzlicher Richtung entwickelten, besonders mächtig. Für die klassische Zeit 500-338 v.Chr. lassen sich über 600 Polis nachweisen, von denen die meisten nicht die Grösse einer Dorfmark überschritten. Nur wenige Polis, wie z.B. Sparta und Athen, konnten daher eine eigenständige Politik betreiben. Während Sparta und Athen verfassungspolitisch eine besondere Entwicklung nahmen, bestimmten in den meisten Polis wenige wohlhabende Bürger deren Politik (Oligarchie).

Sparta hatte eine Zweikönigsherrschaft und kontrollierte einen grossen Teil der Peloponnes (im westlichen Festland von Griechenland). Die meisten Einwohner Spartas waren an das Land gebundene Leibeigene, die sogenannten Heloten, währen die Spartiaten, die Kaste der Elitebürger, von Kindheit an fürs Kriegshandwerk erzogen, fast dauern unter Waffen lebten.

Athen dagegen tat die ersten Schritte in Richtung Demokratie, als Solon im Jahre 594 v.Chr. die Gesetze reformierte. Er verfügte eine allgemeine Schuldentilgung und beseitigte die Schuldknechtschaft, was insbesondere den verarmten Bauern zugute kam. Solon sorgte auch dafür, dass gegen das Urteil adliger Richter vor dem Volksgericht Widerspruch eingelegt werden konnte. An der Stellung des Adels änderte sich nichts, den Solon teilte die Bürger entsprechend ihrem Steuereinkommen in vier Klassen ein, von denen nur die Mitglieder der obersten Steuerklasse Archonten werden durften. Dagegen waren in der Volksversammlung alle Bürger vertreten, sodass der Zusammenhalt der Bürgerschaft gewahrt wurde. Doch herrschte weiterhin Unzufriedenheit unter den Bürgern, so dass sich Peisistratos (560 bzw. 546-527 v.Chr.) zum Tyrannen aufschwingen konnte. Seine zwei Söhne setzten die Tyrannenherrschaft fort, bis der eine umgebracht wurde 514 v. Chr. und der andere aus der Stadt fliehen musste. Nach dem Sturz der Peisistratiden führte Kleisthenes weitgehende demokratische Reformen durch, die weitergingen als Solons und die Grundlage für die spätere Demokratie bildete. Er löste die vier alten Stammesphylen auf und die Bevölkerung in zehn neue Phylen (Personenverbände) aufteilte, die zu je einem drittel aus Stadt-, Land- und Küstenbewohnern bestanden. Jede Phyle entstanden 50 Mitglieder in den Rat der 500, der die Regierung der Polis bildete. Auf lokaler Ebene schuf Kleisthenes neue Selbstverwaltungseinheiten mit eigenen Versammlungen und frei gewählten Vorstehern. Infolge ihrer militärischen Siege über die Perser gewannen die Athener weiter an politischen Einfluss. Seit 486 bzw. 458/457 war es auch den Mitgliedern der 2. und 3. Steuerklasse gestattet, das Archontenamt zu bekleiden. Die Versammlung der ehemaligen Archonten, der Areopag, verlor 462/461 die Aufsicht über die Beamten an die Volksversammlung. Damit auch die einfachen Bürger politische Aufgaben übernehmen konnten, führten Politiker, wie Perikles, die Zahlung von Tagegeldern (Diäten) ein und vollendeten so die Demokratie (Volksherrschaft). Diäten wurden zuerst für die Tätigkeit als Richter und Ratsherr, später auch für die Teilnahme an der Volksversammlung bewilligt.

Athen wurde reich durch seinen Handel und seine Silberbergwerke in Laurion. Schon in den 90 Jahren kamen die Perser nach Griechenland und wurden von den Athenern im ionischen Aufstand geschlagen. Daraufhin schickte der persische König Darius 490 eine Streitmacht und wie zuvor und in den dauraufliegenden Schlachten 480-479 (10 Jahre später unter König Xerxes) wurden diese vernichtend geschlagen. Durch den Reichtum der Minen konnten die Athener eine neue Flotte bauen und 480 v. Chr. schlugen Sie die Perser bei Salamis entscheidend.

Das Zeitalter des Hellenismus und Alexander der Grosse

Das alte Griechenland war niemals ein geeinter Staat mit einer Zentralregierung und einer einzigen Hauptstadt, sondern vielmehr ein loses Konglomerat von unabhängigen Stadtstaaten, von denen jeder seine eigene Regierung, seine eigenen Gesetzte und Einflussphäre besass. Das änderte sich erst mit dem Aufstieg Philipp von Makedonien in der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Christus. Erst damals entwickelten sich ein politisches Zusammengehörigkeitsbewustsein der Hellenen. Nach den Eroberungen Alexanders des Grossen von Makedonien (Sohn von Philipp) war es möglich, von Südfrankreich bis nach Indien zu reisen und immer nur Griechisch zu sprechen. Durch den Sieg Alexander des Grossen von Makkedonien über den Perserkönige Dareios 333 v. Chr. bei Issos veränderte sich die politische und Kulturelle Situation. Denn der Hellensimus war der Welt zugewandt und religiös tolerant, griechische Vielgötterei setzten sich überall durch. In den Arenen traten nun Athleten nackt an und setzten sich darüber hinweg, dass sichtbare Nacktheit als einer der schlimmsten Frevel galt in einigen Religionen wie dem Judentum. Alexander starb im Jahre 323 v. Chr. und kurz danach zerbrach das Reich. Darauf brachte Rom die Stadtstaaten, die schon unter den makedonischen Könige Ihre Unabhängigkeit verloren hatten, in seine Gewalt. Doch die griechische Kultur, die später in die christliche Theologie und Denkweise einging, hat auch ohne politische Basis überlebt. Sie bildet heute noch die geistige und künstlerische Essenz der westlichen Welt.


Die Kultur & Spuren der Griechen bis in die Neuzeit

Athen wurde ein weit ausstrahlender geistiger und kultureller Mittelpunkt der Alten Welt und legte den Grundstein für die Kultur des Abendlandes. So gelten zum Beilspiel Herodot und Thukydides immer noch als die unübertroffenen Meister der Geschichtsschreibung und die Philosophie der westlichen Welt der vergangenen zweitausend Jahre ist mehr von der Griechischen geprägt als jede andere. Was die Kunst betrifft, so werden die grossen Tragödien des Aischylos, Sophokles und Euripides heute noch aufgeführt. Paläste, Museen, Banken und öffentliche Gebäude tragen über auf der Welt Spuren architektonischer Elemente, die sich von den griechischen Tempeln herleiten. Sogar im Sport sind die Olympischen Spiele, das grösste Sportereignis der gegenwärtigen Welt, eine Reminiszenz an die Wettkämpfe, die ab 776 v. Chr. regelmässig in Olympia auf der Peloponnes ausgetragen wurde.

 
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