Mittelalter 475-1453

Das frühe Mittelalter 475-900

Nach der Völkerwanderung wurde das Byzantinische Reich zur dominierenden Macht, es konnte nur sehr kurz die glorreiche Herrschaft des ehemaligen Römischen Reiches wiederherstellen. In der Zeit des frühen Mittelalters bildeten sich drei politischen Gebilden heraus: Das Oströmische oder Byzantinische Reich, die Kalifate und Reiche der muslimischen Araber und das Frankenreich, welche sich später in Deutschland und Frankreich teilt. Im frühen Mittelalter haben zwei der noch heute wichtigsten Religionen seine Wurzeln, das Christentum beziehungsweise die Katholische Kirche zu Beginn und die Gründung des Islams durch Mohamed im 7. Jahrhundert.

Das Christentum beziehungsweise die Kirche und der Bischof von Rom nimmt im Mittelalter eine wichtige Stellung ein. Das Fundament geschah 325 auf dem Konzil von Nicäa und die Einführung des Christentums durch Konstantin als Staatsreligion im Römischen Reich. Dadurch gewinnen die Christen neue Anhänger und werden eine dominierende Religion. In Gallien (Frankreich) stiegen die Westgoten nach 376 zur Europäischen Grossmacht auf, nachdem der Römische Kaiser Valens die Barbaren zuflucht von den Hunnen gewährte. Zirka 175 Jahre später wurden die West- und die später hinzugezogenen Ostgoten von den Franken (Rheingebiet) im 6. Jahrhundert im ganzen Reich verdrängt. Das Frankenreich wurde von dem Salischen Stammesfürst Chlodwig aus der Familie der Merowinger (466 - 511) gegründet, liess sich römisch-katholisch taufen und vereinigte einiger Völker zu seinem Reich (Deutschland und Frankreich). Die Merowinger liessen ihre Hausmeier (oberste Hofbeamte) das Frankenreich regieren und diese Meier wurden von der Familie der Karolinger gestellt. Die Korolinger übernahmen die Macht auf dem Europäischen Kontinent und bildeten ab dem 8. Jahrhundert mit Karl dem Grossen das Fundament vieler Adelsgeschlechter und der Europäischen Union. Die Franken bildeten die starken Säulen auf dem Fundament des Christentums und sorgten für die verbreitung sowie Christianisierung der damaligen Welt. Mit der Trennung von Ost- und West Rom durch die Westgoten 376, dem Untergang des Weströmischen Reiches 476 durch die Ostgoten und mit der Unterstützung der Franken wurde die römische Kirche gestärkt und löste sich mit dem Bilderstreit im 8. Jahrhundert von der byzantinischen orthodoxen Kirche. 529 gründete Benedikt von Nursia den Benediktinerorden und Papst Gregor der Grosse konsolidiert das Papsttum. Im frühen Mittelalter wurden die ersten Klöster gegründet, welche Inseln der Zivilisation waren. Von Ihnen gingen nicht nur geistlicher Einfluss, Bildung und Christentum aus, sonder auch die Rodung der Wälder und wohltuende Erfindungen wie gutgebrautes Bier oder wundersame Heilmittel auf Biobasis. Da wurden die Manuskripte gerettet, welche von der Antike stammten. Zu dieser Zeit werden die Germanenvölker der Angelsachsen, Alemannen und Bayern christianisiert.

Die germanischen Reiche konnten sich nicht halten: Das Reich der Vandalen in Nordafrika wurde 534 von Byzanz zerstört, das Burgunderreich im gleichen Jahr von den Franken erobert. Aus dieser Zeit stammen die heroischen Überlieferungen des Nibelungenlieds, welches die Geschichte und Entschlossenheit der Burgunder aufzeigt. Das Ostgotenreich in Italien erreichte unter Theoderich 493-526 den Höhepunkt seiner Macht, welcher von Byzanz geschickt wurde um Odoaker zu besiegen. Im Jahr 493 machte Theoderich Ravenna zu seiner Residenz. In keiner Stadt gibt es so viele architektonische Zeugnisse der Germanen. Ravenna ist berühmt für seine Kirchen und Mosaiken. Sie erzählen vom "Goldenen Zeitalter" der Ostgoten in Italien. Von ihrem Glauben zeugt das "Baptisterium der Arianer", die Taufkapelle, die Theoderich bauen ließ. Die Ostgoten waren seit langem Christen. Allerdings keine römischen Katholiken, sondern Arianer. Sie glaubten nicht an die Heilige Dreifaltigkeit. Für sie war Jesus dem Gottvater nicht gleichgestellt. 552 schlug der byzantinische Feldherr Narses die Ostgoten unter Totila und beendete damit das Ostgotenreich in Italien. Unter Kaiser Justinian, der die Einheit der Mittelmeerwelt wieder herstellen wollte, erreichte das Byzantinische Reich seine grösste Ausdehnung (527-565). Im Byzantinischen Reich wurde griechisch gesprochen. Von hier aus werden die slawischen Völker wie Serben, Bulgaren und Russen christianisiert und deshalb übernehmen sie eine Version der griechischen Schrift (kyrillisch, nach dem Missionar Kyrill) und die griechisch-orthodoxe Kirchenverfassung. Es umfasste das gesamte Mittelmehr mit Ausnahme der Gebiete zwischen Ebro und Rhonemündung. In den Jahrzehnten nach dem Tod Kaiser Justinians (565) gingen diese Gebiete zum größten Teil wieder an die Westgoten bzw. die in Italien einfallenden Langobarden verloren. Einige Gebiete mussten Sie schon sehr bald wieder abgeben - im Norden herrschten die Langobarden und im Süden kamen die Araber (Sizilien). Die Langobarden, ein Volk aus Skandinavien zog nach Süden, gründen an der Donau ihr erstes Reich. Später während der grossen Völkerwanderung ziehen sie zusammen mit den Gepiden weiter nach Süden, nach Italien und gründen hier ihr 2. Reich (568 - 774 n.Chr.). Zunächst beherrschen sie Norditalien, dann bis Sizilien. 774 n. Chr. erobert der Frankenkönig Karl d. Große das Reich.

Die eingewanderten Angelsachsen in England waren Bauern und Krieger zugleich. England war ein Land vieler Warlords. Mehr als ein Dutzend angelsächsischer Königreiche zählte man um 600 nach Christus. Einige zuviel. Ein gnadenloser Ausscheidungskampf begann, ein endloses Morden und Hauen und Stechen fand unter den Hooligans der Könige statt. In der Zeit des Umbruchs spielte die Kirche eine wesentliche Rolle, einige Warlords wollten die alten Traditionen nach dem Apostel Johannes leben, andere wie der Europäische Kontinent und die Kirche in Rom. Im Jahre 664 im Kloster von Withby – wurde nicht nur die Frage entschieden, wann das Osterfest zu feiern ist. Sondern es fiel auch die Entscheidung für das Papsttum in Rom. "Tu es Petrus: Auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen." So waren es ausgerechnet die Angelsachsen, die dem Bischof von Rom, dem Papst, zu seiner universellen Macht verhalfen.

Im 7 Jahrhundert wurde Religions-Geschichte geschrieben, welche bis heute eine dominierende Rolle in der Gesellschaft spielt. Um 620 trat in Mekka (Arabien) plötzlich der Prophet Mohammed auf und schuf den radikalen Monotheismus (ein Gott Religion) des Islam. Die islamisierten Nomaden, denen Mohammed für die Verbreitung seiner Lehre das Paradies verhiess, eroberten in nur 100 Jahren Syrien, Palästina, Persien, Mesopotamien, Ägypten, Nordafrika und den grössten Teil Spaniens 711, wo sie das Emirat von Cordoba gründeten. Diese arabische Expansion sprengte die kulturelle Einheit des Mittelmeerraums und trennte Europa von Asien und Afrika. Ein wesentlicher Bestandteil des Erfolges, war der Zusammenbruch und Schwächung einer neuen Weltordnung (Niedergang Rom, Hunnenkämpfe 375-450, ein schwächelndes Persien usw.). Zudem wurden den Bürgern zu Beginn Steuererlass gewährt, falls diese zur neuen Religion wechselten und andere Religionen wurden nicht verfolgt sondern toleriert. All diese Umstände verhalfen den Islam in kürzester Zeit zur dominierenden Religion mit dem Christentum im Mittelmeerraum.

Zu Beginn des 8 Jahrhundert eroberte der Islam Spanien. Erst der Karolinger Karl Martell "Retter der Christenheit" schlug 732 bei Tours und Poitiers die Araber so vernichtend, dass diese sich hinter die Pyrenäen zurückzogen. Pippin der Jüngere begründete 751 mit der Unterstützung des Papstes die Dynastie der Karolinger und schaffte so das System der Hausmeier ab. Entwicklung des Feudalismus, Papst Stefan II salbt Pippin d. Jüngeren zum König und erhält dafür den Kirchenstaat. Sein Sohn, Karl der Große, vereinte das Frankenreich mit Sachsen, Bayern und Oberitalien. Kaiserkrönung von Karl des Grossen in Rom. Die Erneuerung des römischen Kaisertums schafft die Grundlagen für die Staaten Westeuropas. Von Nordspanien aus, beginnt die Wiedereroberung von Spanien und von der Normandie, die Eroberung und Christianisierung Englands. Nach seinem Tod, wurde das Land unter seinen Söhnen im Teilungsvertrag von Verdun 843 geteilt und damit zerfiel das Riesenreich in einen Westteil (Frankreich) und Ostteil (das spätere Deutschland).


Das „hohe Mittelalter 900-1250

Nach der Teilung des Frankenreiches konnte sich das spätere Deutschland sich gut positionieren. Italien wurde nach der Eroberung von Karl dem Grossen endgültig zum Spielball der grossen Staaten, welche sich im hohen Mittelalter herauskristallisierten. Grosses Ansehen und schrecken verbreiteten zu Beginn der Epoche die Wikinger, welche beträchtliches Ansehen gewannen. Die Arabischen Staaten und der Islam, mussten ihre erste Niederlage während der Reconquista in Spanien hinnehmen. Vermehrt entstanden Klöster, vor allem entstanden gegen ende der Epoche und zu Beginn des Späten Mittelalters die grossen Kathedralen.

Vom 8. bis ins 11. Jahrhundert hielten die Wikinger die Welt in Atem. Auf der Suche nach Land, Sklaven, Gold und Silber verliessen sie als Krieger und Entdecker ihre Heimat. Von Norwegen, Schweden und Dänemark aus fielen sie über ganz Europa her. Im 9. Jahrhundert reisten Sie nach Osten, es war ihr Interesse am Handel, welcher die schwedischen Wikinger nach Südosten trieb, wo sie schliesslich das Kiever Reich (das spätere Russland) gründeten. Im Süden fallen die Wikinger (Normannen) 844 in Spanien ein und besetzten für kurze Zeit Sevilla. 860 stossen Sie bis nach Pisa und Luna vor. 911 hatte Charles der III, der König von Frankreich, eine Idee um den Angriffen ein Ende zu machen. Er stellte den Wikinger ein Gebiet zur Verfügung um sich dort niederzulassen. Die Wikinger, die sich da ansiedelten, wurden von den Franzosen als "die Normannen" bezeichnet, weil sie aus dem Norden kamen. Schließlich wurde dieses Gebiet, welches sich um die Stadt Rouen herum befindet, das "Herzogtum Normandie" genannt. Die ersten Europäer, die Nordamerika etwa im Jahre 1000 n.Chr. erreichten, waren Wikinger aus Island, die von Leif Ericson geführt wurden.

Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches und der Aufstieg des Frankenreiches erhielt das Westfränkische Reich 843 die Eigenständigkeit. Durch Hugo Capet (987 zum König gewählt) Gründung der Dynastie der Kapetinger, die in Nebenlinien (Anjou, Valois, Bourbon, Orléans) bis ins 19. Jh. herrschte. Mit dem Aufstieg der Kapetinger war ein kultureller Höhenflug verbunden. Zur Universität Paris strömten Schüler aus ganz Europa. Das Ostfrankenreich welches wie das Westfränkische Reich aus der Teilung des Frankenreiches stammt, regierten die Karolinger. Es entstand wie oben erwähne aus dem Reich der Merowinger, welche die Karolinger die Hausmeier stellten. Das zweite Reich, welches aus der Teilung des Frankenreiches entstand, war das Ostreich. Dies existierte von 843-911 als danach der letzte Franke Konrad I (911-918) das deutsche Reich gründete. Er war aber nicht der mächtigste im Deutschen Reiche und als die Ungarn immer wieder Not und Zerstörung brachten, fiel die nächste Wahl auf Herzog Heinrich von Sachsen 919-936, der erwies sich als ebenso einfallsreicher wie auch energischer Herrscher. Die Sachsen wurden zu Beginn des 9. Jahrhunderts von Karl der Grosse nach langer Zeit besiegt und Christianisiert. Diese waren schon zur damaligen Zeit sehr gefürchtet und hatten Ihren starken Willen.

Der entgültige aufstieg Deutschlands zur vorherrschenden Herrschaft im Norden kam mit Otto I 936-973 später Otto der Grosse, der Sohn von Herzog Heinrich von Sachsen (Das Haus Liudofinger - Ottonen). Dieser besiegte die Opposition und wies auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 die Ungarn in die Schranken. Dieser räumte in Italien auf, nahm die kluge Schwester des Burgunderkönigs Adelheit von Burgund und Italien zur Frau und wurde mit dem Kaisertitel 962 in Rom belohnt. Seitdem gibt es das Heilige Römische Reich deutscher Nation und die deutschen Könige werden Kaiser. Seine Nachfolger Otto II 973-983 und dessen Sohn 983-1002, Regentschaft seiner Mutter Theophanu Tochter des Oströmischen Kaisers (gest.985) und der Grossmutter (gest.999) konnten das Reich weiter festigen. Beide starben jung an Malaria. Nach dessen Tode, kam der Bayernherzog und der heilige Machtpolitiker Heinrich II 1002-1024, den einen galt er als Europas Zierde, den anderen als Gewaltherrscher an die Könige und Kaiserwürde. Bis zum heutigen Tag aber dominiert das Bild des frommen Königs in der Erinnerung der Menschen; denn 1146 wurde er heilig gesprochen. Der letzte der Ottonen war Konrad II 1024-1039. Die Herrschaft der Ottonen war eine Kulturelle Blühte und eine Fase des Aufschwungs in Deutschland. Im hohen Mittelalter war das Kloster wirtschaftlich gesehen ein Bauerngut mit angeschlossenen Gewerbebetrieben wie Brauerei, Mühlen, Weinkeller, Apotheken und häufig auch Krankenhäuser. Daneben gab es auf dem Land das Dorf und die Burg, häufig beides nebeneinander. Die Burg war das Domizil des lokalen Adligen, eines kleinen Fürsten mit einer kleinen Privatarmee. Diese Burgen konnten bei Machtzuwachs eine erhebliche Ausdehnung annehmen (gut ersichtlich an der Geschichte der Habsburger). Später im Hochmittelalter wurden diese zu Zentren einer eigenen Kultur des Rittertums mit Turnieren, Hoffesten und Ritterspielen. Im gesamten Rittertum ging es letztlich um die Zivilisierung des Kampfes durch Frauenkult (Kampf für die Ehre einer Dame) und Ethik (Schutz der Schwachen, Witwen und Waisen), welches gut bei den Tempelritter ersichtlich ist.

1054 kam es zum Schisma; Ost- und Westkirche brachen endgültig auseinander. Das östliche Christentum weigerte sich, Grundüberlegungen der westlichen Kirchen zu übernehmen, wie die Ehelosigkeit der Priester und die Herkunft des Heiligen Geistes aus dem Vater und dem Sohn. Die unterschiedliche Entwicklung der Kirche führte zur Trennung, die erst teilweise 1965 formal wieder aufgehoben wurde. Der Papst unterstützte fortan die seit 1015/16 in Apulien ansässigen Normannen bei der Eroberung vormals byzantinischer Territorien, die bis zum Jahr 1071 dem Reich vollständig verloren gingen. Byzanz benötigte die Hilfe von Venedig und musste grosse Privilegien an die Insel geben - Aufstieg Venedig. Ein weiterer Grund für den Aufstieg Venedigs war die Handelsroute der Seidenstrasse, welche der Handel über Venedig führte und gute Geschäfte für die Insel-Bewohner brachte.

Im 11. Jahrhundert begann die romanische Kunst, erste Kunstrichtung des gesamteuropäischen Stils und am Ende des Jahrhunderts begann die Kreuzfahrerzeit 1096 - 1291. Das Deutsche Kaiserreich fällt wieder an die fränkischen Herzöge (Salier). Heinrich III, Heinrich IV welcher unter Papst Gregor VII einen Konflikt über das Recht des Kaisers um Bischöfe zu ernennen streiteten (1077 Gang nach Canossa, Auferlegung durch den Papst als Bereuung) und Heinrich V. Papst Gregor verfolgt die absolute Herrschaft des Papstes über die Kirche. Die Normanen gründeten auf dem Rückweg aus dem Heiligen Land (Kreuzzüge) das Königreich Neapel 1061 und 1066 wurde England erobert.

Heinrich II, Herzog der Normandie und seit 1154 König von England, erwirbt durch Heirat mit Eleonore von Guyenne große Teile Frankreichs und verstärkte so den Einfluss der Engländer im Land, welcher später zu dem 100 Jährigen Krieg zwischen England und Frankreich führte. Nach den Wirren um die Kaiserskrone in Deutschland und dem Konflikt zwischen Welfen und Staufern gewannen die Staufer, welche aus dem Herzogtum Schwaben stammten 1138-1254. Diese erreichten nicht die Blühte der Ottonen und Salier in Europa. Unter Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) wurden 1152-1190 weitere Kreuzzüge unternommen und schwere Machtkämpfe mit dem Sachsen Heinrich den Löwen. Friedrich Barbarossas Sohn Heinrich VI. (1190-1197), der über seine Gemahlin das normannische Königreich Sizilien erbte, erreichte das Staufische Reich seine größte Ausdehnung. Sein früher Tod stürzte das Reich in eine Krise.

Um 1200 war die Blütezeit der mittelhochdeutschen Dichtung und der romanischen Baukunst. Zurück zu einer vergangenen Weltmacht, das Byzantinische Reich: Nach der Plünderung von Byzanz durch die Kreuzfahrer 1204 existierte für 57 Jahre das Lateinische Kaiserreich der westeuropäischen Eroberer. Papst Innozenz III. rief zum Kreuzzug gegen die Katharer auf (Albigenser-Kriege 1209-29), wodurch die Religion der Katharer schließlich zerstört wurde. Nach ihrer Lehre stand in streng dualistischer Scheidung dem guten Gott der Teufel als Weltschöpfer entgegen. Die damit böse Welt suchten die Katharer durch strenge Askese zu überwinden. Sie drohte die Kirche zu spalten und von dieser Gruppe stammt auch das Wort "Ketzer" ab, unter welchem die Kirche im Mittelalter grausame Verbrechen vertrat. Friedrich II. (1212-50), schon von Geburt ein Italiener, kämpfte nur noch für sein Italienisch - Sizilisches Reich. In Deutschland überließ er 1220 und 1232 den geistlichen und weltlichen Fürsten die volle Landeshoheit. Die Geltung, die er selbst durch seine überragende Persönlichkeit noch besaß, konnten seine Erben nicht mehr aufrechterhalten. In den drei Jahrhunderten der "Alten Kaiserherrlichkeit war Deutschland ein Land blühender Kultur geworden. Anfangs wurde es geistlich bestimmt durch die Bildung an Bischofssitzen und in Klöstern, dann weltlich in der ritterlichen Kultur. Das Ende der kaiserlichen Universalmacht bedeutete keinen Niedergang Deutschlands. Es war im Gegenteil weiterhin von kraftvollem Leben erfüllt. Im Norden und Osten dehnte es sich weit aus. Der Deutsche Ritterorden besetzte die preußischen und baltischen Länder; die Hanse herrschte an Nord- und Ostsee. Im Reich hatte sich das Prinzip der freien Königswahl ohne Rücksicht auf Geblütsrecht durchgesetzt, was dazu führte, dass sich bis 1257 zum einen ein einflussreiches, durch die Wahl die Geschicke des Reiches mitbestimmendes Kurfürstenkollegium herausgebildet hatte. Mit dem Tod Friedrichs I und seines Sohnes (1254) lässt man das "hohe" Mittelalter (900-1250) sowie die Stauferzeit (1138-1254) enden und das Spätmittelalter (1250-1500) beginnen.


Das Spätmittelälter 1250-1453

Die Wiege der neuzeitlichen Kultur liegt in den Städten. Auch sie wurden häufig von Adligen beherrscht, aber noch häufiger waren sie frei, d.h. sie verwalteten sich selbst (Zünften). Aus diesen Städten bildete sich später die Renaissance (Wiedergeburt), das politische und wirtschaftliche Leben. Sie organisierten und verteidigten sich selbst. Grosse blühende Städte in Deutschland waren Nürnberg, Augsburg mit der Familie Fugger und Lübeck, welche später den mächtigsten Städteverbund gründeten. Deutschland war und bleibt bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts beziehungsweise bis nach dem 1. Weltkrieg ein Verbund aus kleinen Staaten (regiert von den Kurfürsten, welche den Kaiser wählten) und freie Städte. Frankreich wurde mehrheitlich von den Engländern beherrscht, welche erst im späteren 15. Jahrhundert vertrieben werden konnten.

Im 13. Jahrhundert herrscht in Deutschland ein Durcheinander – generelle Rivalität und Interregnum. Mit der Wahl Rudolfs I. von Habsburg (1273-1291) kam es zu einem Wiedererstarken der Königsmacht. Beim Tod Rudolfs schlossen sich die drei Waldstätte Schwyz, Uri und Unterwalden 1291 im "Ewigen Bund" zur Wahrung ihrer Freiheiten zusammen und verpflichteten sich zu gegenseitiger Hilfe (Der Rütlischwur und der Apfelschuß in Schillers "Wilhelm Tell" gehören der Sage an). Das war der Beginn der Schweizer Eidgenossenschaft, Reichsunabhängig (nur dem deutschen Kaiser verantwortlich). 1261 konnte Byzantinische Kaiser Michael VIII. Konstantinopel zurückerobern. Seine Nachkommen haben das Reich bis 1453 regiert. In Frankreich konnte Philipp IV. (der Schöne, 1285-1314) seine Königsmacht stärken und erkämpfte bis zum Ende des 13. Jh. die Vormachtstellung in Europa. Er hatte grosse Schulden bei den Templerrittern, weshalb er vermutlich diese zu unrecht beschuldigte und verbrannte.

Die Schlacht bei Morgarten 1315 war für die Eidgenossen (Schweiz) ein richtungsweisendes Ereigniss. Sieg über Habsburger bei Morgarten, welche den Feudalherren des Mittellandes ihre neue Ordnung aufzwingen wollten. So schlossen sich zuerst Luzern (1332), Zürich (1351), Glarus und Zug (1352) und schließlich Bern (1353) den drei Kantonen an und bildeten den Bund der acht Kantone. Später dann traten Solothurn und Freiburg der Eidgenossenschaft bei, die von Kaiser Maximilian durch den Vertrag von Basel (1499) ihre Unabhängigkeit erlangte.

1347 wird aus Asien die Beulenpest eingeschleppt und sie wütet drei Jahre lang bis 1350. Danach ist ein Drittel der Bevölkerung tot. Die Pest wurde auch „der schwarze Tod“ genannt. Während der nächsten 50 Jahre bricht die Pest immer wieder aus. Die Katastrophe hat für die Bevölkerung das Ausmass eines Weltunterganges. Das schürt die Paranoia (Verfolgungswahn), man sucht nach Sündenböcken: So kam es zu den Hexen- (Frauen) und Judenverfolgungen. Der mittelalterliche Antisemitismus war nicht rassistisch, sondern religiös. Die Kirche verdiente ihr Geld mit Ablassbriefen - Bussen (Schenkungen, Pilgerfahrten, Spenden), man konnte für seine Sünden zahlen und die Schuld war einem vergeben. Daraus entstand später in der Renaissance auch die Reformierte Kirche (Protestanten – Luther). So entstanden auch die Wahlfahrtsorte, bei welchen die Krankenheilung erkauft werden konnte. Gegen Mitte des 14. Jhd. begannen Holland und Friesland Schiffe für Handel und Reisen zu bauen. Dies legte den Grundstein für die zukünftige starke Seefahrt der Niederlande.

Kaiser Sigismund 1387-1437 ist König von Ungarn und von 1410-1437 römisch-deutscher Kaiser. Im Hundertjährigen Krieg (1339-1453) gegen England wurde Frankreich schließlich von den Engländern bis auf Calais (bis 1558 englisch) befreit und diese somit fast vollständig vom europäischen Kontinent vertrieben. Anlass für diesen Krieg war der Anspruch des englischen Königs Eduard III auf den französischen Thron nach dem Aussterben der Kapetinger in direkter Linie. Lichtgestalt des Krieges war Johanna von Orleans (Jeanne d'Arc), die sich durch "Stimmen" dazu berufen fühlte, den Dauphin (Karl VII) nach Reims zur Krönung zu führen und Frankreich von den Engländern zu befreien. Durch ihren Einfluss gelang 1429 die Aufhebung der englischen Belagerung von Orléans und damit eine entscheidende Wendung im Krieg gegen England. Am 25.3.1430 geriet Johanna von Orleans in die Gefangenschaft der Burgunder, die mit den Engländern verbündet waren und sie diesen auslieferten und als Ketzerin verbrannt wurde. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wurde von 1347-1437 (90 Jahre) das Reich von den Luxemburger Karl IV und seinen Söhnen von ihrer Hauptstadt Prag aus regiert. Seit der Wahl Albrechts II. (1438-1439) zum Deutschen Kaiser, Sigismunds Schwiegersohn, blieb die Krone trotz Fortbestehens des Wahlrechts bis zum Ende des alten Reiches beim Haus Habsburg. Sein Sohn Friedrich III. (1440-1493) stabilisierte das Reich wirtschaftlich und politisch. Friedrichs größter Erfolg war die Verheiratung seines Sohnes Maximilian I. (1493-1519) mit der Erbtochter des mächtigen Herzogs Karl des Kühnen von Burgund, wodurch das burgundische Reich an das Haus Habsburg fiel. Erst im Jahre 1806 mussten die Habsburger Ihre Kaiserskrone an Napoleon abgeben, das Habsburgerreich existierte als Kaiserreich Österreich-Ungarn bis 1908 weiter.
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