Ägypten 3000 bis 314 v. Chr.

Einführung

Im 3. vorchristlichen Jahrtausend entstand im Tal und auf dem Delta des Nils das Reich der Ägypter. Es umfasste in einem über 1000 km langen Streifen fruchtbaren Landes von nur wenigen Kilometern Breite eine Bodenfläche, die etwa dem heutigen Belgien entspricht. Der Fluss prägte das Leben der Menschen, die an seinen Ufern siedelten. Sein Wasserstand entschied übe fette und magere Jahre; er förderte die Einheit des Reiches und bildete die Hauptverkehrsader des Landes.

Die Geschichte des alten Ägypten beginnt mit der Vereinigung des ursprünglich in zwei Staaten getrenntes Landes zu einem Reich. Die Geschichte wird eingeteilt in drei Zeitabschnitte: Altes Reich, Mittleres Reich und Neues Reich. Diese Epochen werden unterbrochen von Zeiten innenpolitischer Wirren und Einbrüchen fremder Völker ins Niltal.


Das Alte Reich

Der legendäre König Narmer verinigte um 3000 Oberägypten, das sich an den schmalen Landstreifen beiderseits des Nils entlangzog, und Unterägypten, welches das weite Land des Nildeltas umfasste. Seine Nachfolger bauten die Einheit des landes aus und sorgten sich vor allem um die Kultivierung von Land und den Ausbau des Handels. Eine Ausdehnung ihres Reiches strebten sie nicht an. Als die Macht lokaler Fürsten um 2155-2040 zunahm, zerfiel das sogenante Alte Reich.

Die bedeutendsten Errungenschaften des Alten Reiches waren die Entwicklung der Hieroglyphenschrift zu Beginn dieses Zeitabschnittes und der Aufbau eines gut funktionierenden Staatsapparates. Ein weiteres grosses Vermächtnis sind die Pyramiden, diese wurden als Grabstätten für ägyptische Pharaonen erbaut. 2580 v.Chr. Cheopspyramide (137 m hoch, eine Seite ist 230 m lang, die Bauzeit betrug 30 Jahre). Die Pyramiden von Gizeh ist das einzige der 7 Weltwunder, das heute noch steht.


Das Mittlere Reich

2052 bis 1570 v.Chr. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen einigt sich Ägypten unter König Mentuhotep II., Hauptstadt wird Theben. Bau von Befestigungsanlagen, grosser Tempel von Karnak. Ausdehnung des Reiches bis nach Nubien.

1778 bis 1610 v.Chr. Innenpolitische Streitereien. 1650 Einfall der Hyksos (Gegend v. Mesopotamien) und semitischer Stämme; mit dem Einfall kam Ägypten erstmals unter Fremdherrschaft. Die Eindringlinge bilden eine neue Herrenschichte; neue Kampftechnik mit Pferd und Wagen waren der Ägyptischen überlegen.

Das Neue Reich

Von deren Herrschaft konnte es sich unter Ahmose 1552-1527 befreuen und gründet das neue Reich. Die bekanntesten Pharaonen: 1501 - 1480 Königin Hapschepsut (großer Tempel am Tal der Könige), 1480 - 1448 Thutmosis III. (größte Ausdehnung des Reiches bis in die Ägais, dem Reich der Hethiter, Assyrien und Babylonien hinein), 1377 - 1358 Amenophis IV. , verheiratet mit Nofretete; führt die Verehrung des Sonnengottes Aton ein und nennt sich später Echnaton. Ein Schwiegersohn Echnatons war Tutanchamun.

Ein kurzes und außergewöhnliches Kapitel der ägyptischen Geschichte fiel in die Mitte des 14. Jh.v.Chr. Gemeint ist die Amarnazeit, das heißt die Regierungszeit jenes Pharaos, der sich von Amun und den übrigen traditionellen Göttern ab- und statt dessen einem einzigen Gott zuwandte: Aton, der Sonnenscheibe. Seinen Namen, Amenophis IV., ersetzte er durch Echnaton - "der dem Aton nützlich ist". Er errichtete eine neue Residenz, die er Achet-Aton nannte, was soviel hieß wie "Horizont des Aton". Wir kennen diese Stadt, die 325 km nördlich von Theben liegt, unter dem Namen Tell al Amarna.

Echnaton, der einzige Sohn von Amenophis III. und Teje, erblickt um 1390 v.Chr. das Licht der Welt und besteigt nach dem Tod des Vaters als vierter seines Namens den Horus-Thron. Vorher schon hat er die schöne Nofretete geheiratet, eine Frau unbekannter Herkunft, deren Name "Die Schöne ist gekommen" bedeutet. Zu Beginn seiner Herrschaft verlieh Echnaton sich selbst den Titel "Hohepriester des Sonnengottes", der für ägyptische Könige Tradition war. Im Laufe der Zeit jedoch rückte die Verehrung des Aton immer mehr in den Vordergrund und verdrängte alles andere.

Zunächst versuchte Echnaton, die neue Religion in Karnak durchzusetzen. Später ließ er sämtliche Tempel der anderen Götter im gesamten Land schließen. Als er schließlich befahl, den Namen des Gottes Amun aus allen Inschriften auszumeißeln, war das Volk allem Anschein nach sehr erzürnt. Auch die mächtigen Amun-Priester widersetzten sich der neuen Religion. Bereits zuvor hatten diese Priester aufgrund ihres Reichtums und Einflusses eine Bedrohung für den Pharao dargestellt. Schon Echnatons Vater, Amenophis III., hatte den Aufstieg anderer Götter neben Amun unterstützt, um die Position der Amun-Priesterschaft zu schwächen. Echnaton aber verehrte den Aton mit einer Inbrunst, die sich nicht mehr politisch erklären läßt.

1301 - 1234 Ramses II. , er regierte 64 Jahre und ließ u.a. Abu Simbel erbauen. Nach seinem Nachfolger Ramses III. verarmte das Land und große Teile von Palästina und Nubien gingen verloren.


Die Zeit der Fremdherrschaften

(715 - 663) äthiopische Fremdherrschaft 662 Ägypten wird assyrische Provinz 662 - 609 Psammetich befreit Ägypten von der Fremdherrschaft 569 - 525 Amasis führt Ägypten zu neuer Blüte. 525 Ägypten wird persische Provinz. 332 Alexander der Große erobert Ägypten.


Das Leben, die Kultur und Handel

Die Ägypter sahen ihren König als einen Gott an. Er galt nicht nur als Vertreter der Götter auf Erden, sondern als leibhaftiger Sohn des obersten Gottes Re. Man glaubte, er verfüge über gottähnliche Kräfte. Eine davon war seine Macht über den Nil. Da es in Ägypten kaum regnet, hing das Wohlergehen des Landes davon ab, dass der Nil zum rechten Zeitpunkt und im richtigen Maße das Land überschwemmte. Jedes Jahr vollzog der König Zeremonien, die den Fluss über die Ufer steigen lassen sollten. Frauen nahmen ganz selbstverständlich am öffentlichen Leben teil, sie übten einen Beruf aus, konnten ihren Verdienst uneingeschränkt behalten, waren in der Erbhierarchie gleichberechtigt und hatten die volle Verfügungsgewalt über ihr Vermögen. Als der griechische Geschichtsschreiber Herodot im 5. Jahrhundert v.Chr. die Welt der Antike bereiste, sah er viele Merkwürdigkeiten, aber nichts erstaunte ihn mehr als die Verhältnisse, die er in Ägypten antraf.
"Fast alle Sitten und Gebräuche der Ägypter sind der Lebensweise der anderen Menschen entgegengesetzt. Bei ihnen sitzen die Weiber zu Markt und handeln, die Männer aber bleiben zu Hause und weben."

Die ägyptische Kunst, Literatur und archäologische Funde belegen, dass die Frauen weitgehend gleichberechtigt waren. Mütter und Gemahlinnen des Königs wie etwa die Hauptfrau von Ramses II., Nefertari, verfügten über großen Einfluss und hohes Ansehen. Einige königliche Frauen bestiegen sogar selbst den Thron. Schon in der 2. Dynastie soll es ein Gesetz gegeben haben, das den Frauen das Recht zu herrschen einräumte. Meist regierten sie jedoch nur vorübergehend für ihre minderjährigen Söhne, bis diese selbst die Herrschaft übernahmen.

Große Fortschritte haben die Ägypter im Lauf der Geschichte in der Medizin gemacht. Das Herz, altägyptisch sowohl ib als auch hati genannt, kannten sie bereits als Zentralorgan des Körpers, wenngleich ihnen die Bedeutung des Blutkreislaufs noch verborgen blieb. Im Alten Ägypten galt die Konservierung des Leichnams - die Mumifizierung - als Voraussetzung für das Weiterleben nach dem Tod. Ursprünglich begrub man den Körper eines Toten einfach im Sand, wo er austrocknete und auf natürliche Weise konserviert wurde. Mit der Zeit entwickelten sich die Bestattungspraktiken weiter. Für die Mitglieder der Oberschicht wurden rechteckige Gräber (mastabas) errichtet, und ihre Körper wurden künstlich konserviert. Der Begriff "Mumie" leitet sich vom persischen Wort für Bitumen - moumia - ab, da man früher fälschlicherweise glaubte, dass die Ägypter diese Substanz zur Erhaltung des Körpers verwendeten.

Die alte ägyptische Kunst ist untrennbar mit den Hieroglyphen (griechisch für "heilige Schrift") verbunden. Diese "Bilderwörter" entstanden um 3100 v.Chr. und wurden ursprünglich nur von Beamten für Aufzeichnungen benutzt. Später wurden sie auch für die heiligen Inschriften auf Grabsteinen, Tempeln, Obelisken und Skulpturen sowei für rituelle Schriften auf Papyrus und religiösen Gegenständen verwendet.

Auch auf den Gebieten der Wissenschaft waren die Ägypter weit vorgedrungen. Sie stellten astronomische Beobachtungen an und kannten bereits fünf der Planeten - die sie sich, wie die Sonne, als Götter vorstellten, die in ihren Booten über den Himmel fahren. Die Sternguckerei hing eng mit der Religion zusammen und rührte aus dem Verlangen her, die Stundengebete rechtzeitig zu sprechen. Aus der Astronomie entwickelte sich bereits um das Jahr 2772 v.Chr. der Kalender - eine wahrhaft herausragende wissenschaftliche Leistung.
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