Das Persische Reich unter den Sassaniden 256 v. Chr. - 651 n. Chr.

Die Zwischenjahre, die Aschkaniden (Parhern) und die Römer
256 v. Chr. - 226 n. Chr.


Den Parthern, dem dritten großen Stamm der Region gelingt die Befreiung Persiens. Ihr König Arschak I beginnt 256 v. Chr. mit dem Krieg gegen die Seleukiden .Es gelingt ihm 250 v. Chr. einen eigenen Staat im Osten Persiens zu errichten. Sein Bruder Tirdad I tritt seine Nachfolge an. Nach einem Sieg über Seleukos II 247 v. Chr. krönt er sich als offizieller Nachfolger der Achaimeniden. Auch seine Nachfolger führen ihre Abstammung auf dem Achaimenidenkönig Artaxerxes II zurück. So übernimmt Mehrdad I 138 – 171 v. Chr. nach der Eroberung von Babylon und Nordindien wieder den Titel König der Könige. Während im Westen das aufstrebende römische Imperium sich den Grenzen Persiens nähert, müssen die Parther ihre ganze Kraft auf die Ostgrenzen des Landes konzentrieren. Die Chinesen vertreiben die in Nordchina lebenden Normadenhorden nach Westen. Es ist wohl als die großartigste Leistung der Aschkaniden zu sehen, dass sie, wie ein Bollwerk, die westwärts strömenden Völkerschaften eine nach dem anderen zerschlagen. Erst als die Aschkaniden ihrem Ende entgegen steuern, gelingt es einzelnen dieser Reitervölker, nach Westen zu marschieren. Hier stürzen sie das Römische Reich von einer Krise in die nächste. Aber auch im Westen bezwingen die Aschkaniden ihren mächtigen Gegner. Das Römische Reich unter der Führung des Triumvirats von "Caesar, Pompeius und Crassus", wird in allen Richtungen ausgedehnt. So treffen 53 v. Chr. diese beiden Imperien bei Carrhae aufeinander. Es ist der Beginn der tausendjährigen römisch –persische Kriege. Das römische Heer unter Crassus wird vernichtend geschlagen. Crassus fällt und 20.000 römischen Gefangenen werden nach Merw in Mawarannahr deportiert. Diese für das römische Imperium demütigende Niederlage versucht Mark Anton zu tilgen. Doch sein Angriff über Kleinasien und Azarbaijan scheitert und die Römer müssen einen verlustreichen Rückzug antreten. Einen weiteren Höhepunkt erreicht das Land unter Belach I 51 n. Chr., der zu seinen militärischen Erfolgen gegen Rom und einige zentralasiatischen Völker als frommer Anhänger Zarathustras den Glauben einen neuen Auftrieb gibt. So werden unter ihm die Schriften Zarathustras, "die Awesta", gesammelt. Nach ihm beginnt der allmähliche Niedergang des Reiches. So gelingt es den Römern auf dem Höhepunkt ihrer Macht unter Trajan, die Parther sogar für zwei Jahren aus Mesopothamien zu vertreiben. Es gelingt zwar dem letzten der Aschkaniden Großkönige, Ardavan IV, den Römern 217 n. Chr. eine entscheidende Niederlage beizubringen, und sie zu hohen Reparationszahlungen zu zwingen; doch geschwächt durch ständige Kriege mit äußeren Feinden und innerlich zersplittert, müssen die Aschkaniden dem jungen Sassaniden Ardeschir weichen.

Insgesamt können sich die Aschkaniden weder mit der hohen Staatskunst ihrer Vorgänger, den Achaimeniden, noch den ihrer Nachfolger, den Sassaniden, messen. Ihre Reichsorganisation ähnelt mehr dem Föderalen System des mittelalterlichen Deutschlands mit seinen mächtigen Fürsten und Königen, die die Macht des Shah an mehrere shahs einschränken. Nicht ohne Grund beschreibt Firdausi diese Zeit als eine Zeit ohne Shahs`. Die Aschkaniden sind aber auch große Förderer hellenischer Kunst und Kultur, und bezeichnen sich selbst als Philhellenen. Vor allem aber sind sie in der Weiterentwicklung persischer Kunst, Architektur und Literatur die Wegbereiter der glanzvollen Sassaniden Epoche.

Der Wiederaufstieg Persiens zur Weltmacht unter
der Sassaniden Dynastie 226- 642 n. Chr.


Im 3. Jh. entsteht ein neuer Staat, der über vier Jahrhunderte als Weltmacht neben China und Rom die Geschicke der Welt mitbestimmen sollte. Wieder gelingt es dem König der Perser, Ardeshir-e Babakan aus dem Hause Sassan, die iranischen Völker unter sich zu vereinen. 226 n. Chr. schlägt er den letzten der Aschkaniden, Ardavan IV, und gründet das neupersische Reich der Sassaniden. Er gilt als Schöpfer und Organisator des neuen Reiches, das gleich zu Beginn das römische Weltreich ins Schwanken bringt. In vollem Bewusstsein über die achaimenidische Tradition schafft er nicht nur einen zentralistisch organisierten Staat, sondern erklärt den Glauben Zarathustras zur Staatsreligion. Dem römischen Kaiser sendet er eine Botschaft mit folgender Nachricht: " Das, was Ihr Römer in Asien besetzt, ist mein Erbe". Als Severus die Gesandten tötet, beginnt der Krieg gegen Rom.

Nachdem drei römische Armeen zurückgeschlagen werden, erobert Ardeshir Armenien. Sein Sohn Shahpur I folgt ihm 241 n. Chr. auf den Thron. Er vollendet die Eroberung Armeniens, und greift die Römer in Syrien an. Diese Kriege von 241 bis 244 und 258-260 enden mit der bis dahin größten Niederlage der römischen Geschichte. Im ersten Krieg fällt der römische Kaiser Gordian. Über 60.000 römische Legionäre gehen 244 in die Gefangenschaft. Rom muss den Frieden mit 500.000 Dinaren, einem Tribut gleich, erkaufen. Nach weiteren schweren Niederlagen sucht der römische Imperator Valerian selbst Shahpur auf. Das Unternehmen endet für die Römer in einer Katastrophe: Valerian und über 70.000 römische Legionäre gehen in persische Gefangenschaft. Zu dem werden die Römer zu hohen Reparationszahlungen verpflichtet. So gelangt das junge Sassanidenreich durch seine ersten zwei Könige zum höchsten Ansehen in der damaligen Welt. In dieser Zeit werden durch die römischen Gefangenen zahlreiche Brücken- und Dammprojekte durchgeführt; der berühmteste, der Kaiserdamm bei Susa, ist heute noch zu sehen.

Shahpur II d. Gr. 309- 379 und seine Nachfolger bis 651

Unter den Nachfolgern Shahpurs müssen wegen den anhaltenden Kämpfen gegen die zentralasiatischen Kriegerstämme zeitweise Zugeständnisse an die Römer gemacht werden, bis Shahpur II d. Gr. (309-379) den Glanz des Reiches wiederherstellt. Schon vor dessen Geburt krönen die Großen des Reiches das ungeborene Kind zum König. Mit 16 reißt er die Führung des Reiches an sich, bestraft die arabischen Aufständischen, und kann auf diese Weise die wichtigen Handelsstrassen nach Indien sichern. Als Protektor des Christentums gewährt er den in Rom verfolgten Christen Schutz in seinem Reich. Shapurs Amtszeit war von den Leistungen Konstantins I überschattet, des römischen Kaisers, der seine Hauptstadt nach Byzanz verlegte (die Stadt wurde 330 n. Chr. in Konstantinopel umbenannt). Konstantin war ein überzeugter Förderer des Christenturms - obwohl er den Glauben zu seinen Gunsten auslegt. Doch die zunehmende Christianisierung Roms und die Ausrufung des Christentums als Staatsreligion führt in einer Zeit, in der Religion über Staatsbürgerschaft entscheidet, dazu, dass die persischen Könige von nun an das Verhalten der Christen in ihrem Reich skeptischer beobachten. Um die früheren Verluste auszugleichen, beginnt Shahpur 338 n. Chr. den Krieg gegen Rom. Nach anfänglichen Siegen muss er jedoch 350 n. Chr. die Kämpfe gegen Rom aufgrund der Angriffe der Hunnen im Osten unterbrechen.

Die Hunnen, ein aus Nordchina vertriebener wilder Kriegerstamm, greifen 350 Persien vom Osten her an. In einem siebenjährigen, blutigen Krieg besiegt Shahpur die Hunnen und vertreibt sie von den Grenzen Persiens. Die Hunnen ziehen nach diesen Niederlagen weiter nach Europa. Dort lösen sie die berühmte Völkerwanderung der Germanen aus, und bereiten das Ende des römischen Reiches vor. Noch während den Kriegen gegen die Hunnen fallen die Römer in Persien ein. Da Shahpur die Hunnen als gefährlicher einschätzt, lässt er die Römer unbehelligt. Doch nach seinem Sieg im Osten wendet er sich wieder den Römern zu. Den Frieden von 363 n. Chr. müssen die Römer mit grossen Zugeständnissen erkaufen. Neben seinen politischen und militärischen Erfolgen kann er auch kulturell grosse Errungenschaften vorweisen. Shahpur bietet den aus dem römischen Reich vertriebenen Philosophen und Wissenschaftlern Schutz an seinem Hof. Er begründet mit ihrer Hilfe die berühmte Universität von Ghundishapur mit Lehrstühlen für Historie, Philosophie, Literatur, Kriegswissenschaft und Naturwissenschaften. Hier werden die Schriften der antiken Römer und Griechen ins Persische übersetzt.

Jesgerd I, der zu Beginn des 5. Jh. den Thron bestieg, ging noch entschossener gegen die Christen vor. 409 zeigte sich Jesgerd I. versöhnlich und erliess ein Edikt, das den Wiederaufbau der Kirchen erlaubte. Plötzlich änderte er jedoch seinen Standpunkt und startete eine 4. jährige Kampagne, die zahlreichen praktizierenden Christen im Perserreich das Leben kostete. Diese Aktion brachte ihm den Beinamen "der Sünder" ein, trug aber nicht zu seinen Sturz durch den Adel 420 n. Chr. bei. Sein Sohn Brahman I brachte die Regierungsgewalt bald wieder in die Hände der Sassaniden und setzte die blutige Politik fort. Obwohl er nur kanpp 3. Jahre gegierte, liess er Mani und alle seine Priester, die er fand, kreuzigen. Unter Jesgerd II wurden die Christen in Armenien und Mesopotamien gleichermassen verfolgt und gejagt. Am Kaspischen Meer litten die Sasanidenkönige unter den Aggressionen der Hephthaliten, der Weissen Hunnen aus dem Osten. Es gab viele Kriege, die etliche Menscheleben forderten. 484 töteten die Hephthaliten König Zeroz und um 500 weiteten sie ihr Territorium in Persien aus.

Im Jahre 505 verbündeten sich die Sassaniden mit dem Oströmischen Reich gegen die Hephthaliten. Der wohl gefeiertste Sassanidenkönig war Chosrau I., auch bekannt als Anoscharwan der Gerechte, der 531 bis 579 herrschte. Er organisierte die Armee, das Steuerwesen neu und investierte in die Architektur der Hauptstadt sowie einige Städtegründungen. Sein Regime überrante das äthiopische Aksum, dass zuvor ein christlicher Staat gewesen war (über das Reich von Aksum werden wir noch berichten, bei den Themen Araber und Islam).

Die Perser und Türken bezwingen 562 die Hephthaliten. Sein Namensvetter Chosrau II. (Kosru II.) regierte 591 bis 628 n. Chr. und war weit weniger beliebt. Von 612 - 615 nehmen die Sassaniden unter König Kosru II Kleinasien, Syrien und Palästina ein. Es war eine Frage der Zeit, bis die Byzantiner sich zur Wehr setzten. 627 schlugen sie in Armenien zu , die feindlichen Armeen standen sich bei Ninive gegenüber und Chosrau II. wurde brutal geschlagen. Es folgte eine Reihe von Sassanidenherrschern, die jedoch allesamt durch Chosraus Unfähigkeit, durch überhöhte Steuern, eine rigide Sozialstruktur und die religiöse Spaltung geschwächt waren. Jesgerd III., der letzte der Linie, wurde 651 von den Arabern geschlagen und später ermordet. Die Bühne war nun frei für die Araber, die als neue Religion den Islam einführten. Der Fortlauf der Geschichte, den schnellen Aufstieg der Araber in Afrika und in Vorderasien werden wir in der Epoche des Mittelalter weiterverfolgen. Nun gehen wir etwas zurück, zu einem der ersten Steppenvölker - die Hunnen
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