Deutsches Kaiserreich unter Preussen 1871 - 1918

Deutsches Kaiserreich ab 1871

Nach der Reichsgründung konnte das Kaiserreich seine neu gewonnene Stellung durch das komplizierte Bündnissystem Bismarcks bewahren und gleichzeitig Frankreich isolieren. Seit dem Berliner Kongress (1878), der eine neue Ordnung auf dem Balkan mit sich brachte, verschärften sich die Spannungen zwischen Russland und dem Reich. Dies führte zur Bildung des Zweibundes (1879; 1882 mit Italien zum Dreibund erweitert) zwischen Österreich und Deutschland, in dem sich beide Mächte zu wechselseitigem Beistand im Falle eines französischen bzw. russischen Angriffs verpflichteten. 1881 konnte das Verhältnis zu Russland durch ein Neutralitätsabkommen gesichert werden, 1887 folgte ein russisch-deutscher Rückversicherungsvertrag. Durch die Mittelmeerentente (1887) näherte sich auch Großbritannien dem Dreibund an. Aufgrund von Bismarcks Kolonialpolitik (Imperialismus) konnten ohne größere Konflikte ab 1884 (erste Kolonie Deutsch-Südwestafrika) in Afrika und im Pazifik "Schutzgebiete" gewonnen werden.

Innenpolitisch war der Kulturkampf (seit 1871), der sich gegen die katholische Kirche richtete, ein bestimmendes Element. Die Einführung von Schutzzöllen (1879) eine Antwort auf den wirtschaftlichen Einbruch, der den Gründerjahren folgte beendete die Zusammenarbeit von Bismarck und den Nationalliberalen. Die zunehmend konservative Politik Bismarcks schlug sich in dem gegen die aufstrebende Sozialdemokratie (Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands) gerichteten Sozialistengesetz (1878-1890 gültig) nieder. Auch durch die Sozialgesetzgebung (seit 1883) gelang es Bismarck nicht, die Arbeiterschaft von den Sozialdemokraten zu trennen und den Gegensatz zwischen den Arbeitern und dem Staat zu entschärfen. Im "Dreikaiserjahr" folgte Wilhelm II., nach dem Tode Wilhelms I. und der nur 99 Tage dauernden Herrschaft Friedrichs III., auf den deutschen Thron. Im Anschluss an die Absetzung Bismarcks war der Weg frei für den innen- und außenpolitisch "Neuen Kurs" unter Wilhelm II. und seinem Reichskanzler (seit 1890) Caprivi.

1. Weltkrieg (1890 - 1918)

Der Rückversicherungsvertrag mit Russland wurde nicht verlängert. Das Verhältnis zwischen Großbritannien und dem Reich verschlechterte sich zunehmend (u. a. durch die deutsche Unterstützung der südafrikanischen Buren und den Ausbau der deutschen Flotte unter Alfred von Tirpitz). Durch die britisch-französische Entente cordiale (1904), aus der 1907 um Russland erweitert die Tripelentente hervorging, welche nun dem Dreibund gegenüberstand, und infolge der Marokkokrisen geriet das Deutsche Reich zunehmend in Isolation ("Einkreisung"). Die Daily-Telegraph-Affäre (1908), die Wilhelm II. den Vorwurf des "persönlichen Regiments" eintrug, machte die innenpolitischen Schwächen der Monarchie offensichtlich (so auch die "Zabernaffäre" 1913) und trug zu einer Verschlechterung des britisch-deutschen Verhältnisses bei.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 brachte anfangs durch den Burgfrieden eine nationale Einheit und eine Beendigung der innenpolitischen Auseinandersetzungen mit sich, doch traten die Gegensätze z. B. in Hinblick auf die Kriegsziele schon bald wieder deutlich hervor. Im Verlauf des Krieges konnten sich die Alliierten gegen die Mittelmächte durchsetzen.
Artikel 1937 Mal angezeigt.